Die richtige Radgrösse? Das Wohlfühlen entscheidet. | Ride MTB

Die richtige Radgrösse? Das Wohlfühlen entscheidet.

Podiumsdiskussion Radgrössen

Rund 70 Vertreter aus der Bikebranche haben sich beim Schweizer Notubes-Importeur getroffen, um die Gretchenfragen für die passende Laufradgrösse beim Mountainbike zu diskutieren. Es gab interessante Anekdoten, wie Industrie, Handel und Rennszene die drei Laufradgrössen handhaben und was wichtige Faktoren sind für die Entscheidung für 26, 27.5 oder 29 Zoll.

Stefan Gruber, Geschäftsführer der Trail Supply AG, hat am 28. November in den Transalpes Factory Store in Zwillikon eingeladen, um der Frage nachzugehen: Was ist das Radmass aller Dinge? Verschwindet 26 Zoll? Bedeutet grösser gleich besser bei 29 Zoll? Ist 27.5 Zoll oder 650b nur Mittelmass oder das beste Mass?

Auf dem Podium nahmen Roland Abächerli (Giant), Thomas Weber (Devinci), Roman Studer (Specialized-Händler), Laurens van Rooijen (Freier Journalist) Thomas Frischknecht (Scott) und Stefan Gruber (Laufradbauer und Importeur NoTubes) Platz (Bild v.l.n.r.). Durch das Gespräch hat Thomas Giger, Herausgeber des Ride Mountainbike Magazins, geführt. Zu Gast war eine rund 70 Personen umfassende (beinahe ausschliesslich männliche) Runde an Branchenvertretern aus Fachhandel, Tourismus, Presse, Hersteller- und Rennszene.

Patentrezepte vom Podium gab es indes keine zu hören, welche Laufraddimension jetzt die richtige sei. Auch waren sich die Experten keineswegs einig – so waren etwa kontroverse Meinungen zu hören, ob ein 29er als Untersatz für einen Biker oder insbesondere Bikerin unter 1.60 Körpergrösse tauge. Auf die Frage, wie es im City Bike-Bereich mit 26 Zoll weitergehe, gab es keine klare Ansage.

Eine Meinungsübereinstimmung gab es dennoch: Grössere Räder erleichtern das Biken, insbesondere im schweren Gelände. 29er-Räder vermitteln gemäss den Experten besonders Mountainbike-Anfängern grosse Sicherheit auf den Trails. Wer es quirliger mag und enge, winklige Parcours bevorzugt, soll im Zweifel zur kleineren Radgrösse greifen.

Doch zum Ende der Diskussion war gleichsam alles wieder offen und auf eine emotionale Komponente reduziert: Die Podiumsteilnehmer betonen, dass schlussendlich das Wohlfühlen auf dem Rad entscheide und es müsse getestet werden, welches Modell dieses Gefühl biete – und das dauere heute aufgrund dreier Laufradgrössen länger als zur 26 Zoll-Ära.
 

Eine Auswahl von Statements der Podiumsteilnehmer:

Roland Abächerli: 26 Zoll stirbt sicher nicht ganz aus, bleibt aber dem Anfängerbereich beim Mountainbike vorbehalten. Die 29er haben die Vorteile der grossen Räder eingeführt und so 650b den Weg geebnet.

Laurens von Rooijen: 26 Zoll wird bleiben, aber es wird in diesem Bereich keine Innovationen mehr geben.

Thomas Frischknecht: Die Hersteller müssen fokussieren, drei Radgrössen sind nicht machbar. Deshalb fällt 26 Zoll weg.

Laurens von Rooijen: 27.5 Zoll ist der goldene Mittelweg, um den Skeptiker abzuholen. Das 26 Zoll-Bike stirbt aus, da es im Marketing der Hersteller schlecht geredet wurde, um die 29er anzupreisen.

Thomas Frischknecht: An der Olympiade 2004 in Athen fuhr ich bereits 650b-Räder mit Tubular-Bereifung. Tom Ritchey meinte, nicht die Collé-Pneus seien der grosse Vorteil, sondern die grössere Laufraddimension.

Stefan Gruber: Bei den Verkäufen von NoTubes dominiert die 29er-Grösse. Seit April/Mai 2013 findet die Trendwende statt, weltweit verkauft NoTubes mehr 650b als 26 Zoll im OEM- und Aftermarket-Bereich.

Laurens von Rooijen: Die Stückzahlen für 650b-Parts sind so rasant angestiegen, dass die OEM-Preise hier mittlerweile tiefer sind als bei 26 Zoll.

Thomas Weber: Im Downhill wird sich 26 Zoll am längsten halten, aber auch hier hält 650b Einzug. Es gibt DH-Racer die mit dem Handling von 27.5 Zoll Mühe hatten und wieder auf 26 Zoll umgestiegen sind.

Roman Studer: Durch die drei Laufradgrössen treten die Marken in den Hintergrund. Der Mountainbiker diskutiert mit seinen Sportkollegen nicht, ob das Bike X oder Bike Y das Richtige ist, sondern welche Radgrösse passt.

Thomas Frischknecht: Bereits zur Entstehungsgeschichte des Mountainbikes hat Tom Ritchey mit 26 Zoll- und 650b-Bikes experimentiert. 26 Zoll wurde beim Mountainbike populär, da das BMX zu dieser Zeit den Sprung von 24 auf 26 Zoll machte und so mehr Zubehör verfügbar war.

Die Podiumsdiskussion auf Video in voller Länge:
 

 


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