Erfahrenes Duo soll Österreichs MTB-Strategie entwickeln
Die Konnekt GmbH unter der Führung von Karl Morgenbesser und Thorsten Schmitz hat das Rennen um die von der österreichischen Bundesregierung ausgeschriebenen Mountainbike-Koordinationsstelle gemacht. Damit liegt das Thema in erfahrenen Händen. Morgenbesser ist Gründer und Geschäftsführer der Wexl Trails sowie der dazugehörigen Erlebnisarena St. Corona. Es ist ihm gelungen, das einstige Skigebiet in der Nähe von Wien, das in Zeiten des Klimawandels unter Schneemangel und immer kürzeren Wintern leidet, zu einer der besten Mountainbike-Destinationen Österreichs umzuwandeln. Schmitz bringt langjährige Erfahrung aus dem Sporthandel und der Markenentwicklung ein, sechs Jahre lang leitete er die Geschicke von Intersport Austria. Beide sind auch privat passionierte Mountainbiker und kennen das Spannungsfeld, in dem sich der Sport in Österreich bewegt, nur zu gut.
Die Initiative zur Schaffung einer landesweiten Mountainbike-Koordination ging 2022 vom damaligen Sportminister Werner Kogler (Grüne) aus. «Die Ausschreibung der gesamtösterreichischen Mountainbike-Koordinierungsstelle ist ein Meilenstein für die Entwicklung einer österreichweiten Mountainbike-Strategie. Nach jahrzehntelang scheinbar unauflösbaren Interessenkonflikten ist es gelungen, ein gemeinsam von allen mit dem Thema befassten Ministerien und den Bundesländern getragenes Projekt zu entwickeln und zu finanzieren», erklärte Kogler dazu. Der Weg bis zur Ausschreibung 2024 war kein leichter. Es bedurfte dreier Ministerien – Sport, Landwirtschaft und Verkehr – sowie des Staatssekretariats für Tourismus und der neun Bundesländer, um das Vorhaben auf Schiene zu bringen.
Stakeholder-Prozess zur Strategieentwicklung
Nun liegt der Ball bei Morgenbesser und Schmitz, die in einem ersten Schritt ihre Koordinationsstelle als Wissens- sowie Informationsdrehscheibe etablieren sollen, um davon ausgehend einen umfassenden Stakeholder-Prozess zu starten. Bis Ende 2026 soll dann die Mountainbike-Strategie für Österreich vorliegen und in der Folge Maßnahmen erarbeitet werden, um diese umzusetzen. Die Koordinationsstelle von Morgenbesser und Schmitz wird die Gespräche und Verhandlungen mit den verschiedenen Stakeholdern führen. Begleitet wird sie dabei von einer Steuerungsgruppe, die von den Ministerien - mittlerweile sind es Sport, Forst, Tourismus und Mobilität - sowie den Bundesländern beschickt wird.
Das Ziel ist, bis 2033 ein bundesweites Angebot für Mountainbiker zu schaffen, das legal ist und von allen Stakeholdern akzeptiert wird. In Österreich kein einfaches Unterfangen, denn aufgrund eines anachronistischen Forstgesetzes aus dem Jahr 1975, also lange bevor es den Mountainbike-Sport gab, ist Radfahren in den Wäldern grundsätzlich verboten. Wo keine mächtige Lobby wie etwa der Tourismus dahintersteht, ist es daher meist sehr schwierig, ein legales Streckenangebot zu schaffen. Die neue Koordinationsstelle soll hier eine Vermittlerrolle einnehmen und helfen, ein möglichst flächendeckendes Angebot zu schaffen, damit die legale Ausübung des Sports «unabhängig vom Wohnort und oder der eigenen Geldbörse» möglich wird, wie es Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt (SPÖ) ausdrückte.
Komplizierte Ausgangslage
In welchem Spannungsfeld Morgenbesser und Schmitz hier arbeiten werden, zeigt die Stellungnahme von Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) zu den Erwartungen an die Koordinationsstelle: «Ich sehe die Mountainbike-Strategie als große Chance, ein attraktives Angebot für Sport und Erholung zu schaffen, die wild- und waldökologischen Aspekte zu berücksichtigen und gleichzeitig die Regionen zu stärken. Dabei ist es oberste Priorität, die Interessen aller Betroffenen zu berücksichtigen. Die Waldbewirtschafterinnen und Waldbewirtschafter, die unter anderem wertvolle Arbeit bei der Anpassung der Wälder an den Klimawandel leisten, müssen umfassend eingebunden werden. Nur so kann eine nachhaltige Nutzung der Natur- und Kulturlandschaft gewährleistet werden. Zum Schutz unserer Wälder muss es klare Regelungen und Verträge geben.» Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) betont wiederum die wirtschaftliche Bedeutung des Radsports für das Urlaubsland Österreich. Rund ein Drittel aller Sommergäste komme mittlerweile zum Radfahren, damit ist Biken nach Wandern die Sommersportart Nummer zwei. Und 80 Prozent dieser Rad-Touristen seien Stammgäste, weshalb ein umfassendes Angebot für sie von großer Bedeutung sei.
Ob die Zeit bis 2033 und vor allem das Budget von 2,8 Millionen Euro dafür ausreicht, wird sich zeigen. Auf Morgenbesser und Schmitz wartet jedenfalls eine große Herausforderung. «Mountainbiken ist für mich weit mehr als ein Sport – es ist eine Bewegung, die Gesellschaft, Regionen und Natur verbindet. Mit der nationalen Strategie wollen wir diese Kraft für Österreich nutzbar machen – gesundheitsfördernd, umweltbewusst und wirtschaftlich tragfähig», skizziert Morgenbesser seine Pläne. Ähnlich sieht Schmitz seine Aufgabe: «Unser Anspruch ist es, Mountainbiken als gesamtgesellschaftliches Thema zu denken. Österreich hat die Chance, Vorreiter in Europa zu werden – wenn es uns gelingt, Sport, Natur, Eigentum, Mobilität und Wirtschaft sowie Tourismus in einer gemeinsamen Vision zu verbinden.»