«Ich freue mich auf die neue Freiheit» | Ride MTB

«Ich freue mich auf die neue Freiheit»

Nino Schurter, Weltcup Lenzerheide 2025

Nino Schurter hat mit dem Lenzerheide-Weltcup seine grossartige Karriere fulminant beendet. Im persönlichen Gespräch mit Ride erzählt der beste Mountainbiker aller Zeiten, wie es ihm geht, auf was er sich freut und wie er die Zukunft sieht.

Wie geht es dir jetzt, einen Tag nach dem Showdown in Lenzerheide?

Es geht mir gut. Sicher wird es sich die nächsten Tage noch etwas anders anfühlen. Aber ich habe gemerkt, dass jetzt der richtige Moment ist. Ich hatte lange vor der Frage des Rücktritts etwas Angst. Aber jetzt merke ich, dass es der richtige Moment ist. Das macht die Situation viel leichter.

Der Spitzensport war 25 Jahre dein dominantes Thema. Kommt da mit dem Rücktritt nicht schon etwas Wehmut auf?

Ich hatte aktuell vom Rennenfahren etwas genug, da hast du zum jetzigen Zeitpunkt keine Wehmut. Das wird sich bestimmt anders anfühlen, wenn ich erholt bin. Und wenn ich dann die Rennen als Zuschauer verfolge. Da werde ich bestimmt etwas wehmütig. Aber das Shorttrack-Rennen an den Weltmeisterschaften habe ich bereits nur als Zuschauer am TV verfolgt und das fühlte sich ganz gut an. Das war nicht immer so.

Du bist 25 Jahre lang immer im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden. Das wird nun bestimmt deutlich weniger. Wie wirst du damit umgehen?

Ich nehme es, wie es kommt. Natürlich kann ich mir vorstellen, dass ich es vermisse. Es ist tatsächlich sehr reizvoll, auf der grossen Bühne zu stehen, die Atmosphäre zu spüren, die Anspannung zu erleben. Aber ich freue mich nun auch, nicht immer im Rampenlicht zu stehen.

Du warst eine wichtige Figur im Mountainbikesport. Wie wirst du dem Rennsport erhalten bleiben?

Ich werde weiterhin mit dabei sein, auch noch Rennen fahren, aber andere Formate und mit anderen Ambitionen.

Kannst du überhaupt an den Start gehen ohne Siegesambitionen?

Das muss ich nun erst noch herausfinden. Aber es werden ganz andere Voraussetzungen sein und es werden Rennen sein, die mir einfach Spass machen und bisher nie ins System passten. Es gibt so viele coole Rennen, bei denen ich nie Zeit hatte. Als Spitzenathlet hast du für ganz viele Dinge keine Zeit.

Freust du dich, dass du Zeit hast für andere Dinge? 

Ja. Als Rennfahrer bist du sieben Tage in der Woche, während 24 Stunden täglich. Alles, was du machst, hat einen Einfluss auf dein Training, dem fast alles untergeordnet ist. Ich freue mich auf die neue Freiheit, einfach mal auf eine Wanderung zu gehen, ohne die Befürchtung, nachher schwere Beine zu haben. Oder mal in den Bergen biwakieren. Oder auf einen City-Trip. Solche Sachen sind als Spitzenathlet kaum möglich.

Veränderungen wie ein Rücktritt sind eigentlich sehr schwierig. Hast du jemanden, der dich unterstützt?

Es ist ein großer Schritt mit großer Veränderung, den ich nicht auf die leichte Schulter nehme. Zum Glück habe ich eine starke Familie und eine tolle Partnerin im Rücken, die mich dabei unterstützen. Und zu meinem Manager Guisep Fry pflege ich ein sehr gutes Verhältnis und er hat bereits zahlreiche andere Spitzensportler beim Rücktritt begleitet. Mit ihm führe ich gute und intensive Gespräche zu diesem Thema. Und vieles läuft ja auch weiter: Ich bin unvermindert Teil des Teams Scott Sram und habe unverändert enge Kooperationen mit Scott, Sram, Cornercard, Oakley oder Polestar. Es gibt also auch Beständigkeit innerhalb des Rücktritts.

Wenn du jetzt schon etwas zurückblickst: Was hat dir der Rennsport gegeben in all den Jahren?

Es waren vor allem extrem viele schöne Momente. Gerade vergangenes Wochenende in der Lenzerheide oder zuvor an den Weltmeisterschaften. Dieser positive Spirit ist etwas, das die Sportart mir zurückgegeben hat.  
 

Impression von Schurters Abschiedsvorstellung in Lenzerheide


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