Nachwuchs-Teams: Nährboden der Schweizer Cross-Country-Erfolge
Nein, die Schweiz hat nicht mehr Talente als andere Länder. Entscheidend ist, was mit diesen Talenten geschieht, welche Unterstützung und Chancen sie erhalten. Neben dem Zugang zu Trainingsmöglichkeiten, Nachwuchsrennserien wie einst dem Strom Cup und der Arbeit der Vereine, Förderer und Trainer leisten Nachwuchs-Teams wertvolle Beiträge.
Vor rund 25 Jahren gab es nur wenige Nachwuchsteams in der Form, wie man sie heute kennt. Jan Koba war um die Nullerjahre mit seinem Koba-Team erfolgreich, das vorwiegend aus Nachwuchsfahrern bestand. Und Bruno Diethelm, der auch heute noch bei der Nachwuchsförderung eine wichtige Rolle spielt, führte während derselben Zeit ein U23-Team, dem unter anderem auch Ralph Näf angehörte. Ansonsten waren es einige Schweizer Elite-Teams, die einzelne Plätze an Nachwuchsfahrer vergaben – was an sich nicht schlecht war. Es spornte junge Athleten an, einen dieser begehrten Plätze zu ergattern.
Im Jahr 2002 veränderten Thomas Frischknecht und Andi Seeli die Schweizer Team-Landschaft nachhaltig. Mit dem Scott-Swisspower-Team fokussierten sie sich auf den U19- und U23-Nachwuchs, während Frischknecht quasi als Spielertrainer weiterhin an der Weltspitze vertreten war. Die Fahrer galten damals als die grössten Talente der Schweiz. Nino Schurter ist das bekannteste Mitglied dieses Teams, das heute Scott-Sram heisst und mit ihm seit vielen Jahren an der Weltspitze mitmischt.
Doch der Bedarf an Nachwuchsteams war bedeutend grösser. Über die Jahre kamen immer mehr Equipen hinzu, die sich dem Nachwuchs verschrieben. Dazu zählte etwa das Strüby-Bixs-Team unter der Leitung von Andreas Kurmann, das vielen Fahrern die Möglichkeit bot, sich sportlich zu entwickeln. Die Geschwister Linda und Reto Indergand reiften unter Kurmanns Fittichen zu Weltklasse-Athleten und schafften später den Sprung in Profi-Teams.
Auch das JB Brunex-Team gehörte viele Jahre zu den bekanntesten Nachwuchs-Equipen. Ramona Forchini etwa wechselte von Strüby-Bixs zu JB Brunex, wo sie als U23-Fahrerin reifte und einige ihrer grössten Erfolge feierte. Das Team unter der Leitung von Joe und Lisa Broder war zudem immer wieder auch Auffangstation für Profis, die zeitweise ohne Team dastanden. So auch Thomas Litscher, der unter JB Brunex Bronze an den Cross-Country-Weltmeisterschaften 2017 gewann. Joe und Lisa Broder schrieben Ende 2024 die letzten Zeilen, in diesem beeindruckenden Kapitel in der Geschichte des Schweizer Mountainbikesports.
Dem Nachwuchs verschrieben hat sich auch Florian Vogel, der einst unter der Flagge des Scott-Swisspower-Teams bis an die Weltspitze fuhr. Heute führt Vogel mit dem U23-Team «Scott-Davos MTB Project» vier Schweizer Nachwuchsbiker an die Spitze.
Die Liste liesse sich noch lange fortführen, doch ein Team muss an dieser Stelle noch erwähnt sein – das Bike Team Solothurn. Die kleine, aber feine Nachwuchs-Equipe von Reto Burki bot bereits einigen Talenten ein Sprungbrett und sorgt aktuell gleich doppelt für Schlagzeilen. Luca Schätti entwickelte sich als Nachwuchsfahrer in der Obhut des Bike Team Solothurn und startet dieses Jahr bei den Profis im Bixs Performance Team durch. Seit neustem ist er Europameister im Short Track. Und damit nicht genug: Fabio Püntener stiess als Nachwuchsathlet zu Burki und fuhr in der laufenden Saison in den Farben des Bike Team Solothurn sogar aufs Weltcup-Podest.
Die konstant starke Präsenz der Schweiz im internationalen Mountainbike-Zirkus ist das Resultat einer lebendigen Nachwuchsstruktur, in der die Teams eine zentrale Rolle spielen. Ob traditionsreiche Equipen wie Scott-Sram oder engagierte kleinere Teams wie das Bike Team Solothurn – sie alle leisten ihren Beitrag dazu, dass Schweizer Talente beste Bedingungen vorfinden, um sich sportlich und persönlich zu entfalten. Wer heute auf dem Podest steht, hat meist schon als Junior von dieser einzigartigen Förderkultur profitiert.