Nächster Knall bei Swiss Cycling: Marisa Reich darf doch zur Wahl antreten
Keine drei Wochen vor der Wahl, schien diese entschieden. Der Swiss-Cycling-Einzelrichter schloss Marisa Reich, seit fünf Jahren Vorstandsmitglied, von der Wahl aus und verbannte sie auch gleich aus dem Vorstand des Verbands. Die Begründung: Sie ist nicht Mitglied eines Schweizer Radsportvereins, wie das die Statuten vorschreiben. Der Artikel lässt wenig Spielraum für Interpretationen zu, auch wenn Details wie die Frist oder die exakte Definition einer Mitgliedschaft nicht festgehalten sind.
Verstörend war, dass Marisa Reich trotz dieses Mankos 2021 in den Vorstand gewählt worden war. Und weil sie in den Monaten vor der Wahl allmählich als Kritikerin der Swiss-Cycling-Geschäftsleitung in Erscheinung trat, hatte der Ausschluss einen schalen Beigeschmack.
Bemerkenswert ist auch die Begründung des Rekursgerichts: Marisa Reich erfülle Voraussetzungen zur Wahl als Präsidentin von Swiss Cycling gemäss Statuten, heisst es da. Ohne Erklärung, wie diese Instanz beim gleichen Artikel zum gegenteiligen Schluss kommt, wie der Einzelrichter. Zusammen mit Marisa Reich darf auch Ariane Previtali ihren Sitz im Vorstand wieder einnehmen, in den sie 2025 gewählt worden war. Und Andrew Thomas ist nun doch als Vize-Präsident genehm, wenn ihn die Delegierten auf diesen Posten wählen. Swiss Cycling hat die Möglichkeit, diesen Entscheid vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne anzufechten. Auf der Website publiziert der Verband den Entscheid des Rekursgerichts ohne Kommentar. Ob das heisst, dass die Verbandsleitung diesen akzeptiert, wird sich in den kommenden Tagen zeigen.
Sucht sich die Geschäftsleitung ihre Aufsicht aus?
Sicher ist, dass es im Umfeld des Verbands weiter brodelt. Ride hat in der Zwischenzeit von zwei Seiten erfahren, dass die Geschäftsleitung Wahlkampf für Marisa Reichs Gegenkandidatin Luana Bergamin betreibt. Es entsteht der Eindruck, dass sich die operative Spitze des Verbands ihr Aufsichtsorgan selber zusammenstellen will. Das wird nun auch für Reichs Gegenkandidatin zum Nachteil. Ein Vize-Präsident eines Radsportclubs, der an der Delegiertenversammlung teilnehmen wird, hält gegenüber Ride fest: «Eigentlich ist Luana Bergamin die geeignetere Kandidatin als Marisa Reich. Da sie aber offensichtlich die Kandidatin der Geschäftsleitung ist, ist sie für unseren Verein nicht mehr wählbar.»
Im Zentrum der Kritik an der Geschäftsleitung steht CEO Thomas Peter. Dieser polarisiert mit seiner Arbeit, seiner Prioritätensetzung und immer wieder mit Personalentscheiden seit Jahren. In den letzten Wochen haben verschiedene Medien Meinungen über den Chef des Schweizer Radsports zusammengetragen. Von Bewunderung für sein Arbeitsethos, seine Durchsetzungskraft und die erfolgreiche finanzielle Sanierung des Verbands bis zum Vorwurf, Swiss Cycling zu seinem persönlichen Königreich geformt zu haben, ist alles dabei.
Wenn die Delegierten am Samstag in Bern einer der beiden Kandidatinnen ihre Stimme geben, dann stimmen viele auch über Thomas Peter ab, obwohl dieser angstellt ist und nicht zur Wahl steht. Nach allem was vorgefallen ist, gehen einige davon aus, dass Marisa Reich, sollte sie Präsidentin werden, CEO Thomas Peter entlassen wird, so hat das zumindest die NZZ in Erfahrung gebracht.
Dabei geht unter, dass in der 142-jährigen Verbandsgeschichte zum ersten Mal eine Frau an die Spitze gewählt wird. Was diese bewirken kann, hängt aber auch von einem mächtigen Mann ab.