Vor der Präsidiums-Wahl fliegen bei Swiss Cycling die Fetzen | Ride MTB

Vor der Präsidiums-Wahl fliegen bei Swiss Cycling die Fetzen

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Zwei Wochen vor der Präsidiums-Wahl schmeisst Swiss Cycling eine von zwei Kandidatinnen aus dem Vorstand und schliesst sie von der Wahl aus. Begründung ist ein während Jahren nicht beachteter Artikel der Statuten. Auch ein weiteres Vorstandsmitglied wird entlassen und ein Kandidat für das Vize-Präsidium ausgeschlossen. Zudem ist die Abteilung Mobilität und Politik nach einem weiteren Abgang ohne Personal.

Der Schweizer Radverband Swiss Cycling blickt einer historischen Präsidiums-Wahl entgegen. Am 14. März 2026 wird zum ersten Mal in der 142 Jahre dauernden Geschichte eine Frau in den Vorsitz des Verbands gewählt. Zwei haben sich für das Amt beworben: Marisa Reich, seit dem Jahr 2021 im Vorstand von Swiss Cycling und Luana Bergamin, unter anderen Präsidentin des Vereins Bike-Weltcup Lenzerheide und ehemalige Mitarbeiterin beim Radverband.

Doch nun hat Swiss Cycling Marisa Reich von der Wahl ausgeschlossen. Oder genauer, der Swiss-Cycling-Einzelrichter hat bei der Prüfung ihrer Bewerbung festgestellt, dass sie Artikel 23b der Statuten verletzt, der verlangt, dass jedes Vorstandsmitglied auch einem Radsportverein angehören muss. Reich könne deshalb nicht dem Vorstand angehören und auch nicht Präsidentin werden. 2021 war die gebürtige Deutsche und international tätige Sportfunktionärin in die Leitung von Swiss Cycling gewählt worden. Bisher war die fehlende Clubmitgliedschaft kein Problem. Zwei Wochen vor der Wahl ist sie das nun plötzlich. 

Die grosse Zahl an Kandidierenden, 14 sind es genau, die sich für vier zu vergebende Vorstandssitze zur Wahl stellen, habe die nötig gemacht, heisst es von Swiss Cycling. Dies auch, damit nicht im Nachhinein die Wahl nichtig werde, weil jemand mit genauer Kenntnis der Statuten den Artikel mit der Club-Mitgliedschaft geltend mache. 

Reich kann die bisher irrelevante Vereinsmitgliedschaft nicht mehr nachvollziehen, da die Bewerbungsfrist abgelaufen ist. Das Pikante am Ausschluss: Reich gilt als Gegenspielerin von Swiss-Cycling-Geschäftsführer Thomas Peter.

Reich teilt online mit, dass sie den Entscheid des Einzelrichters anfechten werde. Zudem hält sie fest: «Wer im Schweizer Sport Verantwortung übernimmt, muss kritische Fragen zu Governance, Finanzen und Ethik stellen dürfen – wenn genau diese Fragen dazu führen, dass man mit Drohungen, Ausschlussversuchen und formalen Manövern konfrontiert wird, haben wir ein Kulturproblem, nicht ein Personenproblem.»

Mit der gleichen Begründung der fehlenden Clubmitgliedschaft verliert auch Ariane Previtali per sofort ihren Sitz im Vorstand, in den sie bei der Delegiertenversammlung im März 2025 gewählt worden war. Die Bedingung, einem Radsportclub anzugehören, wird auch Andrew Thomas zum Verhängnis, der sich für das Amt des Vize-Präsidenten beworben hatte.

Abteilung Mobilität und Politik ist vakant

Schon länger dauert der Personalschwund in der Abteilung Mobilität und Politik an. Anfang 2025 arbeiteten dort noch drei Personen. Mathias Buchwalders Anstellung war befristet und lief nach Verlängerung aus. Die eine Co-Leiterin, Lisia Bürgi, verliess Swiss Cycling im Dezember 2025. Die andere, Paloma del Mar Kilchenmann, hat sich entschieden, den Verband per Ende Februar 2026 zu verlassen. Die letzten Monate war sie im Mutterschaftsurlaub. Die freie Stelle werde in der kommenden Woche ausgeschrieben, heisst es von der Geschäftsstelle. 

Als sich diese Entwicklung abzeichnete und Ride im November vom Swiss-Cycling-Geschäftsführer Thomas Peter wissen wollte, was es mit den Abgängen in der für den Mountainbike-Breitensport und dessen Infrastruktur wichtigen Abteilung auf sich habe, kanzelte dieser die Anfrage damit ab, dass diese Fragen nur der kleingestrickten Mountainbike-Szene entspringen könnten, die das «Big Picture» nicht sehe.

Es ist also einiges im Umbruch bei Swiss Cycling und der Rauswurf von Marisa Reich zeigt, dass mit harten Bandagen gekämpft wird. Die Delegiertenversammlung am 14. März dürfte hitzig werden.