Produkte-Piraten gestoppt: Specialized und Aliexpress gelingt Schlag
Die Fälscher haben keine halben Sachen gemacht, sondern sich Premium-Produkte vorgeknöpft: Rennradrahmen der Linie Tarmac SL8, Roval-Lenker und -Laufräder, Specialized-Sattelstützen, -Gabeln und die für das Branding nötigen Sticker-Sets. Daneben gab es auch Plagiate von Trek, Cannondale, Pinarello und Cérvelo. Die Specialized-Teile hatten einen Verkaufswert von 1,1 Millionen US-Dollar, die übrige Fake-Markenware hätte den Fälschern eine weitere halbe Million US-Dollar eingebracht.
Doch dieses Mal ging es schief. Die Razzien in China haben schon im März 2025 stattgefunden. Wohl um die Ermittlungen nicht zu gefährden, berichtet Aliexpress erst im Dezember mit einer Medienmitteilung über die Operation. Sieben Personen sind festgenommen worden.
Aliexpress ist in unseren Breiten eher für Kampfpreise unterhalb jeder Schamgrenze bekannt. Offenbar will aber auch der Konzern Alibaba Group trotz seines Namens nicht als Räuberhöhle für Produktefälscher wahrgenommen werden. Der Vize-Präsident des Unternehmens, Matthew Bassiur, erklärt: «Der Schutz der Verbraucher und das Vertrauen in Marken sind zentral für die Integrität unserer Plattform. Illegale Angebote entfernen wir schnell – nachhaltige Wirkung erzielen wir aber erst, wenn auch die physischen Produktionsstätten gemeinsam mit Marken und Behörden zerschlagen werden.»
Fälschungen fallen bei Sicherheitstests «katastrophal» durch
Während bei Aliexpress die Reputation auf dem Spiel steht, riskieren die Käufer der gefälschten Bikes ihre Gesundheit, um nicht zu sagen, ihr Leben. Mit Sicherheitsprüfung halten sich die Produktepiraten offenbar nicht auf. Specialized hat einige der beschlagnahmten Teile ihren Testverfahren unterzogen. Sie haben sie verfehlt, «teilweise katastrophal», schreibt Aliexpress in seiner Medienmitteilung. Wer sich überlegt ein fabrikneues Marken-Bike zu einem Preis zu kaufen, der schlicht und einfach nicht möglich ist, sollte sich dies vor Augen halten. Damit willst du keine Passstrasse hinunterfahren.
Für Specialized stellt dies wiederum das Vertrauen in ihre Marke infrage. Andrew Lowe, Global Brand Protection Manager, führt aus: «Specialized verfolgt eine Null-Toleranz-Politik gegenüber gefährlichen Produktfälschungen. Diese illegalen Strukturen schädigen nicht nur Verbraucher, sondern untergraben auch das Vertrauen in echte Produkte. Wir setzen alles daran, unsere Kunden zu schützen und organisierte Kriminalität weltweit zu bekämpfen.» Der aktuelle Erfolg zeige, so Love weiter, «welche Wirkung die enge Zusammenarbeit zwischen Marken wie Specialized und technologiegetriebenen Plattformen wie Aliexpress entfalten kann». Er bedankt sich denn auch bei den chinesischen Behörden und Alibaba für ihre zentrale Rolle bei den Ermittlungen.
Die Kooperation ist laut Alibaba nicht neu. Der E-Commerce-Riese arbeite seit Jahren mit Specialized an Ermittlungen zum Schutz geistigen Eigentums zusammen. Bereits 2017 habe eine zweijährige gemeinsame Untersuchung zur Zerschlagung eines Fälschernetzwerks geführt, weitere Aktionen richteten sich unter anderem gegen den Online-Vertrieb gefälschter Specialized-Helme. Nach eigenen Angaben hat Aliexpress allein im vergangenen Jahr gemeinsam mit über 20 internationalen Marken und Strafverfolgern weltweit Fälschungen im Wert von mehr als 30 Millionen US-Dollar beschlagnahmt.
SL8-Rahmen gibt es weiterhin auf Aliexpress
Verstörend ist einzig, dass Aliexpress weiterhin «2025 SL8 Carbon-Straßenrahmen» für 661.89 (Stand am 16. Dezember) anbietet. Der Markenname Specialized fehlt, der Rahmen sieht dem Original aber äusserst ähnlich. Die Specialized- und S-Works-Sticker gibts für gut 5 Franken dazu.