Test: Rock Shox Pike Ultimate – eine Gabel, die alle Vorlieben abdeckt
Das Wichtigste in Kürze
Die Pike gibt es in verschiedenen Varianten von 120 bis 140 Millimeter Federweg sowie für 27,5- und für 29-Zoll-Laufräder. Die getestete Ultimate-Gabel hat 130 Millimeter Hub. Mit der Einführung der Charger-3-Dämpfung im Jahr 2023 hat Rock Shox die High-Speed-Compression (HSC) komplett von der Low-Speed-Compression (LSC) getrennt, sodass sie unabhängig voneinander funktionieren. Viele Biker sind bisher mit ganz offener Dämpfung gefahren, diese Zeiten sind jetzt vorbei. Die Gabel ist nun so ausgelegt, dass die mittleren Einstellungen von HSC und LSC als Ausgangslage dienen. Mit der überarbeiteten Version Charger 3.1 wurden die Druckstufendämpfung im LSC-Bereich reduziert und der Öldurchfluss erhöht. Somit ist das Einstellungsspektrum breiter.
Bei der neuen Luftkartusche der Pike hat Rock Shox das Volumen der Negativfeder maximiert. Das soll das Ansprechverhalten am Anfang des Federwegs verbessern und für noch mehr Traktion und Sensibilität bei kleineren Stössen sorgen. Ganz wichtig, die neue Luftfederung DebonAir+ braucht beim Setup etwas mehr Aufmerksamkeit, um die Negativluftkammer korrekt auszugleichen. Ein weiteres Plus sind die neuen Gleitlager, die die Reibung reduzieren.
Erster Eindruck
Wie gewohnt bei einem Testbike wurde das Setup der Pike mit 20 Prozent SAG vorgenommen, die Druckstufe auf die empfohlene mittlere Position gestellt und die Zugstufe nach Vorliebe eingestellt. Doch die Gabel wirkte seltsam soft. Die erste Abfahrt war irritierend, die Gabel rauschte regelrecht bis ans Ende durch den Federweg und das schon bei mittleren Schlägen. Nach Rückfrage bei Rock Shox wird das Setup nochmals neu eingestellt, und zwar mithilfe deren Trail-Head-App. Und schau da, das fühlt sich schon straffer an. Aber irgendwie noch nicht wirklich gut.
Nach einem weiteren Kontakt mit dem Hersteller zeigt sich, dass die Testgabel von einer 140-Millimeter-Version auf die gewünschten 130 Millimeter Hub umgebaut wurde. Die Vermutung kommt auf, dass allenfalls bei der Montage etwas zu viel Fett zum Einsatz kam, das sich erst nach ein paar Ausfahrten vollständig verteilen würde. Das softe Verhalten war auch für Rock Shox nicht stimmig. Sie gaben die Empfehlung ab, das Setup nochmals komplett neu zu machen und vorher die Luft ganz abzulassen. Beim Wiederbefüllen ist gut darauf zu achten, dass die Negativluftkammer korrekt ausgeglichen wird. In der Regel pumpt man die Gabel auf die Hälfte des empfohlenen Drucks und presst sie fünfmal für mindestens drei Sekunden um einen Viertel des Hubs zusammen. Bei ruhiger Umgebung ist der Druckausgleich ganz schwach hörbar. Bei der Testgabel musste das 20 Mal wiederholt werden, bis kein Geräusch mehr hörbar war. Danach bekam sie ein «neues» Leben.
Im Einsatz
Die anfänglichen Probleme waren schnell vergessen. Nach ein paar Abfahrten wird klar, bei dieser Gabel ist alles anders als bisher. Stellt man die Pike gemäss der App-Vorgaben ein, fährt sie sich sehr soft, nutzt den Federweg gut und ohne durchzuschlagen. Sie ist aber immer etwas tief eingesenkt. Bei einem harten Fahrstil oder in sehr steilen Abfahrten ist das nicht jedermanns Sache. Es braucht seine Zeit, bis man sein individuelles Setup findet. Am Ende wird der Luftdruck um fünf PSI über der Empfehlung gefahren und ein Token verbaut, um den Durschlagschutz zu erhöhen. So bietet Rock Shocks neuer Schluckspecht über den gesamten Federweg ein sehr konstantes Fahrgefühl. Egal, ob es über Wurzelteppiche oder schnelle Schotterabfahrten geht, einem Treppen im Weg sind oder heftige Schläge auf das Bike einprasseln.
Fazit
Insgesamt bietet die Pike ein lineares Federverhalten, gibt viel Hub frei und hat eine sehr späte Endprogression. Feine Schläge und Vibrationen nimmt sie spürbar besser auf und sie punktet mit einer angenehmen Steifigkeit. Der Einstellbereich der Gabel ist sehr gross und sie bedient somit die Komfortbiker ebenso wie die Experten, ohne Schwächen zu zeigen.
Empfehlung
Ein akkurates Vorgehen und etwas Geduld helfen, um das optimale Setup zu erreichen. Idealerweise startet man mit den Herstellervorgaben der App. Ist das Fahrverhalten zu soft, einfach mal den Luftdruck um 20 PSI erhöhen und dann in 5-PSI-Schritten reduzieren, bis es passt. Dasselbe gilt für die Druckstufe, hier hilft die Bracketing-Methode, die passende Einstellung zu kriegen.
Preis: CHF 1169.90 / EUR 1169.00