Wegen Vandalismus schliesst Forst bewilligte Bike-Strecke in NRW | Ride MTB

Wegen Vandalismus schliesst Forst bewilligte Bike-Strecke in NRW

Kleve Emmerich NRW Biketrail

In Emmerich NRW hat die Forstbehörde eine vor 12 Jahren bewilligte Mountainbike-Strecke geschlossen. Laut Forst haben Jugendliche am Trail Parties gefeiert, das Gebiet vermüllt und illegale Bauten erstellt. Selbst der verantwortliche Verein unterstützt die Schliessung.

Zuerst ein Disclaimer: Dieser Text basiert auf Nachrichten aus der Lokalpresse – die Neue Ruhr Zeitung und die Rheinische Post haben über den Fall ausführlich berichtet. Der für den Trail verantwortliche Verein hat auf die Anfrage von Ride nicht reagiert, die DIMB ist nicht involviert und kennt die lokalen Gegebenheiten nicht. Das Bild, das die lokalen Medien zeichnen, ist aber ziemlich klar.

Die Kreisstadt Kleve liegt am Niederrhein, unweit der Grenze zu den Niederlanden. Auf der anderen Seite des Rheins liegt die Stadt Emmerich, die zum Kreis Kleve gehört. Die beiden Orte teilen sich seit 2013 eine Mountanbikestrecke. Davor herrschte das übliche Hickhack zwischen  Locals, die sich Trails schaufelten und den Behörden, die dies zu verhindern versuchten. Die Verantwortung für die offizielle Strecke übernahm der polysportive Verein Eintracht Emmerich, genauer dessen Radsportgruppe.

Viele Jahre sei das gut gegangen, lässt sich der Revierförster Joachim Böhmer in der Rheinischen Post zitieren. Doch dann hätten sich Zustände entwickelt, die nicht mehr hinnehmbar seien, «und jetzt ist Schluss». Der Radsportverantwortliche des Vereins Eintracht Emmerich bringt seine Machtlosigkeit auf den Punkt, mit der Aussage, man habe in einer solchen Situation als Verein nur wenig Argumente.

Unbewilligte Jumps und laute Partys

Konkret hätten sich Mountainbiker nicht mit der Strecke zufrieden gegeben, sondern weitere Sprünge gebaut, wofür sie auch Bäume ausgegraben hätten, um das Holz für Hindernisse zu nutzen. Zudem hätten sie einen Unterstand genutzt, um Partys zu feiern – gut hörbar für die Menschen, die in der Nähe des Walds wohnen. Offensichtliche Indizien für die wenig sportlichen Aktivitäten: Beträchtliche Ansammlungen von Bierdosen und Zigarettenstummeln im Wald. Gerritz sagt zur Rheinischen Post, er sei immer wieder zur Strecke gefahren, um aufzuräumen. Dabei habe er nicht nur Berge von Abfall sondern auch ganze Einkaufswagen mitgenommen.

Eher realitätsfremd mutet die Regelung an, dass nur Mitglieder des Vereins Eintracht Emmerich die Strecke benutzen durften. Der Radsport-Chef des Vereins – der die Anfrage von Ride nicht beantwortete – erklärt weiter, nur wenige Mitglieder seien den Trail gefahren. Tatsächlich scheinen Rennrad und Triathlon mehr Aktive des Vereins anzuziehen. Instagram Posts zeigen immerhin, dass im April 2025 an der Strecke gebaut wurde – unter anderem mit einer Rüttelplatte, was nicht nach unbewilligtem Schaufeln aussieht. 

Unfreiwillig komisch wirkt, dass ein Vereinsvertreter der Rheinischen Post erklärt, der Verein habe Geld in die Strecke investiert: volle 400 Euro – unter anderen für den Unterstand. Das Bild, das sich aufdrängt, ist das eines Vereins, der ein Projekt halbherzig führt, worauf passiert, was oft passiert, wenn niemand wirklich Verantwortung übernimmt: Dann übernehmen die Verantwortungslosen, nutzen den vermeintlichen Freiraum und sind längst wieder weg, wenn der Schaden angerichtet ist.

 

Verein muss Strecke zurückbauen

Die Strecke ist jetzt mit Flatterband abgesperrt, auf dem «Betreten verboten! Forstbehördlich gesperrt» steht. Wie gut das Verbot eingehalten wird, ist nicht bekannt. Der Verein Eintracht Emmerich jedenfalls muss jetzt noch einmal richtig Verantwortung übernehmen: Er ist verpflichtet, die Mountainbike-Strecke zurückzubauen. Es sei denn, es findet sich doch noch eine Lösung. Laut Rheinischer Post hat ein Lokalpolitiker der Grünen den Bürgermeister der Stadt Kleve gefragt, ob die Stadt nicht noch etwas tun könne. Der antwortet, er nehme das Gespräch mit dem Forstamt gerne nochmals auf.

Nützen würde möglicherweise, sich ein Beispiel an Community-Trail-Projekten in ganz Deutschland zu nehmen. Wo eine lokale Gruppe von Mountainbikenden eine Strecke betreibt, diese auch selber fährt und sich dafür verantwortlich fühlt, sollte ein grosser Teil der Probleme nicht auftreten, die zur Schliessung des Biketrails in Kleve geführt haben.

Sicher ist eines: Die Mountainbiker aus dem Landkreis Kleve werden ihr Hobby nicht aufgeben und wahrscheinlich auch nicht in die Nachbargemeinden fahren, sondern dort weitermachen, wo sie seit Jahren ihre Trails haben. Möglich, dass die Bierdosen künftig an einer anderen Stelle im Wald abgelagert werden. Was aber das wilde Anlegen von Trails im Wald betrifft, kehren Kleve und Emmerich zurück auf das Feld, an dem sie vor mehr als zwölf Jahren standen.

Und falls es weitere Details gibt, die das aus dem Ruder gelaufene Trail-Projekt verständlich machen – zum Beispiel die Sicht der Jungs, die die Strecke gefahren sind – freuen wir uns, wenn die Insides an uns geschickt werden. Für Kontakt einfach ganz nach unten scrollen.