Hatherly schnappt sich Gold, Koretzky den Schweizern Bronze weg
Ähnlich wie in den vorhergehenden Rennen ist auch bei den Männern ein Solist am Werk, und es ist Victor Koretzky, der sich in diese Position drängt. Der Franzose nimmt Christopher Blevins ans Hinterrad. Dahinter formieren sich die Verfolger mit dem Südafrikaner Alan Hatherly und den beiden Schweizern Luca Schätti und Mathias Flückiger.
Schon in der zweiten Runde übernimmt Titelverteidiger Alan Hatherly das Kommando. Mit einer Tempoverschärfung setzt er sich von der Konkurrenz ab und lässt keinen Zweifel an seinen Ambitionen, auch wenn sein Vorsprung anfänglich sogar zeitweise etwas schrumpft. Dahinter kämpft eine sechsköpfige Verfolgergruppe um den Anschluss.
Runde für Runde vergrössert Hatherly seinen Vorsprung und lässt sich auch von den Anfeuerungsstürmen am Streckenrand nicht aus der Ruhe bringen. Sein Vorsprung ist so deutlich, dass er in der Schlussrunde bereits jubeln kann, ohne Gefahr zu laufen, noch eingeholt zu werden.
Kampf um die Medaillen
Spannender gestaltet sich das Rennen um Silber und Bronze. Hinter Hatherly haben sich Mathias Flückiger, Luca Schätti, Luca Braidot, Simone Avondetto, Victor Koretzky und Simon Andreassen formiert. Diese Gruppe bleibt über weite Teile des Rennens geschlossen, immer in Schlagdistanz zueinander, jedoch ohne echten Zugriff auf den Führenden.
In der letzten Runde verschärfen Schätti und Flückiger das Tempo, dem nur noch Avondetto folgen kann. Und Letzterer zündet im letzten Drittel den Konter, die beiden Schweizer können nicht mithalten. Short-Track-Weltmeister Koretzky riecht Lunte, schafft den Anschluss und geht mit den Flückiger und Schätti auf die Zielgerade, wo der Franzose den Dreikampf für sich entscheidet.
«Wenn vor dem Rennen jemand gesagt hätte, ich fahre um die Medaillen, dann hätte ich das sofort unterschrieben. Klar ist es ärgerlich, wenn man so nah dran ist, aber gegen Victor im Sprint verlieren, ist keine Schande. Deswegen bin ich trotzdem sehr zufrieden mit dem vierten Platz», sagt Luca Schätti und fügt an: «Das waren die vielleicht besten 90 Minuten meines Lebens. Es war so eine grossartige Stimmung, mit dem Team vor Ort, Freunde, Familie und all die Fans. Das bestimmt auch geholfen, dass ich über die etwas längere Renndauer mein Potenzial abschöpfen konnte.»
Mathias Flückiger benötigt erst einige Minuten, um die Enttäuschung über die erhoffte Medaille zu verdauen und erklärt: «Heute war ein ständiges Auf und Ab. Teilweise fühlte ich super, dann wieder weniger. Rangmässig ist Platz fünf natürlich enttäuschend, auch wenn es ein gutes Resultat ist. In der letzten Abfahrt habe ich nochmals forciert, um etwas mehr Vorsprung mitzunehmen und den Sprint mit Victor zu verhindern. Leider ist es dann doch zum Sprint gekommen, und da ist er einfach stärker.»
Mit Filippo Colombo und Fabio Püntener auf den Rängen neun und zehn klassieren sich vier Schweizer in den Top-10, und das ist auch ohne Edelmetall ein Erfolg.
Emotionaler Start für Schurter
Für Nino Schurter ist das WM-Rennen kein einfaches. «Ich war schon vor dem Start fertig. Beim Warm-up wurde der Film über meine Karriere gezeigt, und das war sehr emotional für mich. Mir kamen die Tränen und es schnürte mir förmlich den Atem ab», erklärt Schurter, weshalb es nicht nach Wunsch gelaufen ist. Trotzdem, der Rekordweltmeister gibt seine letzten Weltmeisterschaften nicht auf und beendet das Rennen auf Rang 42. Die Fans honorieren das lautstark und feuern Schurter an, als würde er noch um den Sieg mitfahren. Und den Fans dankt Schurter auch: «Für mich schliesst sich ein schöner Kreis. Im Jahr 2003 durfte ich Lugano meine erste WM bestreiten, heute wieder in der Schweiz meine Letzte. Vor Heimpublikum nochmals auftreten zu dürfen, habe ich sehr genossen, es war eine Megastimmung», bedankt sich Nino Schurter, auch für die Fantreue während fast einem Vierteljahrhundert.
Bilder Elite Männer
Holmgren verteidigt U23-Titel
Isabella Holmgren verteidigt im U23-Rennen der Frauen überlegen ihren Weltmeistertitel. Die Kanadierin setzt sich früh ab und siegt mit über zwei Minuten Vorsprung auf Vida Lopez de San Roman aus den USA. Dritte wird die Italienerin Valentina Corvi. Die Schweizerinnen überzeugen mit vier Top-10-Plätzen, Sina van Thiel aus Deutschland schafft den Sprung in die Top 10.
Den Beginn des U23-Rennens diktiert Olivia Onesti. Die Französin setzt sich mit Lopez de San Roman ab, Holmgren und Corvi etwas dahinter. Beim Versuch, Corvi und Holmgren zu halten, stürzt Monique Halter und verliert danach allmählich an Boden.
Bereits in der zweiten Runde schliesst Holmgren die Lücke nach vorne. Bei Rundenhälfte setzt sich die Kanadierin von der Französin und der US-Amerikanerin ab. Ihr Vorsprung wächst schnell an und ist für ihre Verfolgerinnen bald ausser Reichweite.
Hinten formieren sich derweil vier Schweizerinnen: Monique Halter, Lea Huber, Anina Hutter und Elina Benoit, während Onesti den Anschluss an Vida Lopez de San Roman verliert. Die Positionen scheinen gemacht, doch eine Runde vor Schluss stürzt Olivia Onesti hart und scheidet sogar aus dem Rennen aus.
Isabella Holmgren absolviert auch die letzte Runde souverän und fährt mit 2:16 Minuten Vorsprung ihren zweiten Weltmeistertitel ein. Vida Lopez de San Roman gewinnt Silber, Corvi belegt nach Onestis Ausfall Platz drei.
Die Medaillen sind zwar ausser Reichweite, dennoch freuen sich die Schweizerinnen überschwänglich über ihr starkes Abschneiden. Anina Hutter, Elina Benoit und Lea Huber belegen die Plätze vier bis sechs, Monique Halter wird Achte. Beste Deutsche ist Sina van Thiel auf Platz zehn.