Keller ist Short-Track-Weltmeisterin – Koretzky zerstört Blevins Goldtraum
Keller mit einem perfekten Rennen
In der Short-Track-Entscheidung der Frauen fällt nach Rennhälfte eine unangenehme Vorentscheidung. Bereits zuvor wirken einige Kurven schmierig. Anfang der sechsten von neun Runden kommt es zu einem grossen Sturz, der eine Lücke ins Feld reisst. Vier Fahrerinnen, darunter Jenny Jackson (CAN), Jenny Rissveds (SWE), Evie Richards (GBR) und Alessandra Keller (CH), setzen sich ab. Kellers Landsfrau Ronja Blöchlinger versucht den Anschluss zu halten.
Keller erhöht nun regelmässig das Tempo und sucht die Vorentscheidung. Während Rissveds mithalten kann, schliessen auch Jackson und Richards wieder auf. In der vorletzten Runde setzt sich das schwedisch-schweizerische Duo erneut ab. Richards verliert jedoch wegen eines Plattfusses den Anschluss, und Jackson damit ihre wichtigste Partnerin, um nochmals aufzuschliessen.
Keller und Rissveds gehen gemeinsam in die letzte Runde. Wieder attackiert die Schweizerin und schafft eine kleine Lücke. Kurz vor dem Rockgarden fährt Rissveds nochmals mit letzter Kraft an Kellers Hinterrad. Doch Keller zieht unbeirrt durch die letzte technische Passage und gewinnt erstmals den Weltmeistertitel im Short Track.
«Die Heim-Weltmeisterschaften waren stets in meinem Hinterkopf, auch als ich im Winter verletzt war. Wir haben hart darauf hingearbeitet, doch dass es nun geklappt hat, macht mich sprachlos, es ist einfach genial», freut sich Keller und fügt an: «Den Short-Track-Titel wollte ich schon länger unbedingt gewinnen. Dass es jetzt hier vor heimischem Publikum gelingt, ist grossartig, und ich werde diese WM-Streifen mit besonders viel Stolz tragen.»
Bronze geht an Jennifer Jackson. Wenige Sekunden dahinter sprintet Ronja Blöchlinger auf Rang vier. Die Schweizerin kämpfte sich aus den hinteren Startpositionen nach vorne und zeigt sich überglücklich: «Ich wollte unbedingt nach vorne, weshalb ich nie wirklich im Windschatten fuhr, sondern stets überholte. Es hat sich gelohnt, ich bin extrem happy und extrem müde.»
Holmgren eine Klasse für sich
Im Short-Track-Rennen der U23-Frauen zeigt die Kanadierin Isabella Holmgren von Beginn an ihre Stärke und macht regelmässig Druck. Anfänglich können ihre Konkurrentinnen das Tempo noch halten, doch Holmgren reisst wiederholt kleine Lücken, die immer weniger Fahrerinnen schliessen können. Zur Rennhälfte fährt sie allein vorne weg und baut ihren Vorsprung kontinuierlich aus. Dahinter bildet sich ein Verfolgerduo mit Carla Hahn aus Deutschland und Tyler Jacobs aus Südafrika.
Holmgren verteidigt ihren Short-Track-Weltmeistertitel souverän. Hahn gewinnt Silber, Jacobs Bronze. Beste Österreicherin ist Katharina Sadnik auf Rang fünf, nur wenige Sekunden hinter dem Podest. Lea Huber fährt als beste Schweizerin auf Platz acht.
«Das fühlt sich sehr gut an, und es war ein tolles Rennen. Ich legte den Fokus auf einen guten Start, um in den Singletrails eine sichere Position zu haben und das Tempo zu kontrollieren», erklärt die Kanadierin ihre Goldtaktik.
Treudler unterliegt im Foto-Finish
Das Rennen der U23-Männer beginnt schnell, bleibt aber zunächst ruhig. Über die Rennhälfte fahren die temporären Spitzengruppen und das Feld wie ein Tatzelwurm zusammen. Dann folgen Tempoverschärfungen, unter anderem von Finn Treudler, dem Schweizer Topfavoriten. Von den rund elf Fahrern, die sich zuvor immer wieder kurz absetzten, verlieren mehrere den Anschluss. Nicht aber Treudler: Er drückt aufs Gas und verkleinert die Spitzengruppe zwei Runden vor Schluss auf fünf Fahrer.
In der Schlussrunde bestimmt Treudler weiterhin das Tempo und startet Attacke um Attacke. Während Rens Teunissen van Manen (NED), Cole Punchard (CAN) und Gustav Pedersen (DEN) zurückfallen, hält nur der Franzose Adrien Boichis wenige Meter hinter ihm mit. Diese Distanz schmilzt, es kommt zum Sprint. Kopf an Kopf überqueren beide die Ziellinie, das Foto-Finish entscheidet: Boichis siegt knapp vor Treudler. Punchard holt Platz drei vor Pedersen.
«Nachdem ich bei den Weltmeisterschaften 2023 Zweiter war und das vergangene Jahr schwierig verlief, wollte ich heute unbedingt gewinnen», sagt Boichis. «Ich war in einen Sturz verwickelt und kam erst um Position 15 wieder ins Rennen, von wo ich mich nach vorne kämpfte.» Anerkennend fügt der frischgebackene Short-Track-Weltmeister hinzu: «Das war ein richtig schönes Rennen, danke an Finn für den grossartigen Zweikampf.»
Die Schweizer Nicolas Halter und Maxime l’Homme werden Achter und Zehnter, Paul Schehl aus Deutschland belegt Rang zwölf.
Überraschung auf den letzten Metern
Die hochkarätig besetzten Startreihen gehen beim Rennen der Elite-Männer sofort mit hohem Tempo los. Nach einem schwierigen Beginn kämpft sich der Weltmeister von 2021, Christopher Blevins aus den Vereinigten Staaten, zurück in die Spitzengruppe. Dort fährt er gemeinsam mit dem Chilenen Martín Vidaurre Kossmann, dem Franzosen Mathis Azzaro, dem Dänen Simon Andreassen, dem Italiener Luca Braidot, dem zweifachen Short-Track-Weltmeister von 2022 und 2023 Sam Gaze aus Neuseeland sowie dem WM-Titelverteidiger Victor Koretzky aus Frankreich.
In der fünften von zehn Runden übernimmt Blevins die Führung und kontrolliert das Tempo auf dem engen Waldabschnitt. Noch immer ist eine grössere Gruppe zusammen, darunter auch Lars Forster als aktuell einziger Schweizer Fahrer in den vorderen Rängen.
Azzaro und Koretzky bilden ein starkes Duo, doch Blevins hält sich konstant unter den besten drei Fahrern. Gleich zu Beginn der Schlussrunde lanciert der Amerikaner am ersten Anstieg eine Attacke in hohem Tempo. Das französische Duo kontert jedoch sofort. Auf dem letzten Anlieger findet Koretzky schliesslich die entscheidende Geschwindigkeit, um an Blevins vorbeizuziehen.
Koretzky feiert damit seinen ersten Short-Track-Sieg des Jahres 2025. Blevins belegt Rang zwei mit einer Hundertstelsekunde Rückstand, Azzaro wird mit drei Hundertstelsekunden Rückstand Dritter.
«Mit Chris zusammen auf dem Podest zu stehen, bedeutet mir viel. Er ist in dieser Saison der Fahrer, den es zu schlagen gilt, und es ist nicht einfach», sagt Koretzky. «Auf der letzten Runde ist es schwer, ihn einzuholen. Er reisst eine grosse Lücke auf, aber ich kann sie noch schliessen. Ich bin überglücklich.»
Als schnellster Schweizer klassiert sich Filippo Colombo auf Platz sechs, Max Brandl belegt als bester Deutscher Platz acht.