Last oder Gast? Wie sich Aalen mit den Bikern schwer tut
Die Stadt Aalen ist im Mountainbikesport eigentlich eine feste Grösse. Seit Jahren ist das Städtchen auf der Schwäbischen Alb regelmässiger Austragungsort des Eliminator-Weltcups und glänzt auch in der Cross-Country-Sparte mit einem satten Palmarès. Die Stadt nannte sich sogar einmal die «Hauptstadt des Mountainbikesports». Die Wirkung nach aussen ist klar: Hier setzt man auf den Mountainbikesport. Doch der Lack kriegt tiefe Risse, sobald man sich auf die Trails rund um Aalen begibt.
Bei Erkundungsfahrten dauert es nicht lange, bis das erste Trail-Entree im Blickfeld auftaucht – blockiert von einer Unmenge an Fallholz. Es ist offensichtlich, dass diese Baumstämme vorsätzlich und mit erheblichem Aufwand genau dort platziert wurden, um Mountainbikern die Weiterfahrt zu vermiesen. Wenige Minuten später das gleiche Bild: Auch der nächste Trail ist dem gezielten Holzschlag zum Opfer gefallen. Wesentlich länger dauert es, bis sich schliesslich ein offizieller Bike-Trail der Region findet.
Das erste Fazit: In Aalen gibt es augenfälligerweise Förster, denen die Mountainbiker ordentlich auf die Eier gehen. Und es gibt Mountainbiker, die richtig gute Trails bauen können. Im gleichen Stil zieht sich übrigens der dreitägige Trip vor Ort weiter. Vereinzelte, erstklassig angelegte legale Pfade stehen einer Knatschzone gegenüber, in der man die Mountainbiker anscheinend lieber im Pfefferland als auf den Singletrails sehen würde. Hier herrscht augenfällig das (überholte) Denkmuster, die Mountainbiker mit ein paar Trails kanalisieren und abspeisen zu können.
Die Sackgasse der Verbotspolitik
Aalen befindet sich mitten in jener Phase, in der versucht wird, den Mountainbikesport mit Verboten und Massregelungen «in den Griff» zu bekommen. Es ist eine Phase, die schon viele Regionen im immer gleichen Muster durchlaufen haben. Und es ist eine Phase, die unweigerlich in die Sackgasse führt.
Die «Hauptstadt des Mountainbikesports» verriegelt bekannte Pfade mit Fallholz und setzt auf eine Hand voll Alibi-Trails.
Ein Blick auf den Ortsteil Unterkochen zeigt das Dilemma: Jeder einst existierende Trail ist hier militant mit Fallholz verriegelt. Was die Förster dabei übersehen: Die Mountainbiker verschwinden dadurch nicht. Es werden schlicht neue Trails entstehen, und die gegenseitige Sisyphus-Arbeit beginnt von vorn.
Dass man mit diesem konfrontativen System keinen Meter weiterkommt, könnte man in Aalen eigentlich wissen. Man müsste nur einen Blick in Städte wie Freiburg oder Zürich werfen. Oder in die zahlreichen Tourismusregionen, in denen der Nutzungsdruck auf den Trails zeitweise um ein Vielfaches höher ist und dennoch funktionierende Lösungen gefunden wurden. Selbst die direkte Nachbarschaft zeigt, wie es geht: Nur zehn Kilometer östlich, in Heubach, präsentiert sich eine völlig andere Situation. Hier trifft man auf zahlreiche offene Trails und keine mit Fallholz versperrten Wege.
Vom Problem zur Chance
Die Vorstellung, Mountainbiker auf ein paar wenige, punktuelle Alibi-Trails konzentrieren zu können, ist längst überholt. In Aalen kommt man sich (als Schweizer) vor wie um 20 Jahre zurückversetzt. Aalen sollte die Denkweise ablegen, mit den Mountainbikern primär ein Problem lösen zu müssen. Vielmehr gilt es, ein Bedürfnis der eigenen Bevölkerung adäquat abzubilden. Das gelingt weder mit einer Handvoll netter Abfahrtsstrecken und erst recht nicht mit miesepetrigen Fallholz-Aktionen.
Aalen besitzt ganz offensichtlich eine vitale und starke Mountainbike-Community; die Zahl der lokalen Biker wird auf rund 3000 Personen geschätzt. Angesichts dieser Masse ist die aktuelle Blockadepolitik im Wald geradezu ein Hohn. Was es jetzt braucht, sind starke Persönlichkeiten aus der Mountainbike-Community, die eine langfristige Vision und den nötigen Durchhaltewillen an den Tag legen. Die aktuelle Verbotsphase haben viele andere Regionen ebenfalls durchlebt – und alle haben diese am Ende überwunden. Das wird auch in Aalen der Fall sein. Vielleicht liefert der Mountainbike-Kongress vom 16. bis 18. Juni 2026 den entscheidenden Impuls für den Ausweg aus dieser selbstverschuldeten Sackgasse.
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