Profi-Schrauber Black: «Gut gepflegt lebt euer Bike fast doppelt so lange.» | Ride MTB

Profi-Schrauber Black: «Gut gepflegt lebt euer Bike fast doppelt so lange.»

Gavin Black, Mechaniker des Thömus-maxon Teams.

In der Episode «The Ride Behind the Race» der Filmserie «Race Back Home» kommt unter anderem Thömus-maxon-Team-Mechaniker Gavin Black zu Wort. Black, dessen Erfahrungsschatz vom Cross Country bis tief in den Downhill-Sport reicht, ist überzeugt, auch in der Freizeit spielt die Abstimmung und Pflege des Materials eine wichtige Rolle. Der Werkzeugvirtuose verrät seine effektivsten Tricks, damit es auch auf Touren perfekt läuft.

Sauberkeit als Grundlage

Dass ein Bike gepflegt werden sollte, versteht sich eigentlich von selbst, und doch wird es oft vernachlässigt. Für Black ist die Reinigung die Basis jedes erfolgreichen Rittes: «Ein schmutziges Bike funktioniert nie 100 Prozent perfekt. Staub, Schlamm und Feuchtigkeit setzen sich in beweglichen Teilen fest, beeinträchtigen die Performance und verkürzen die Lebensdauer. Ein gutes Bike-Waschmittel sowie Bürsten und Schwamm erachte ich als ein super Investment für ein langes Bike-Leben!»

Nach jeder Fahrt lohnt sich deshalb ein kurzer Check: Bei leichter Verschmutzung reicht der Lappen, bei stärkerem Dreck kommen Bürsten und Schwamm zum Einsatz. «Bewährt haben sich mehrere Bürsten für unterschiedliche Bereiche: Mittelharte für Felgen und Reifen, harte für den Antrieb, weiche für den Rahmen und eine geformte Nabenbürste aus dem Automobilbereich. Für den Lack eignet sich ein weicher Schwamm. Zum Abspülen genügt Nieder- oder Mitteldruck, etwa aus dem Gartenschlauch; das Wasser dient nur zum Einweichen und Abspülen, nicht zum «Abschiessen» des Drecks.»

Wachs statt Öl

An der Kette scheiden sich die Geister. Black setzt konsequent auf Kettenwachs. «Es zieht weniger Schmutz an, reduziert Reibung und verlängert die Lebensdauer des Antriebs deutlich. Bei richtiger Pflege hält ein Bike und vor allem der Antrieb fast so doppelt so lange. Im Training und bei den meisten Rennen kommt flüssiges Kettenwachs zum Einsatz, bei Weltcups und Weltmeisterschaften Heisswachs – das ist effektiv, aber zu aufwändig für den Alltag.»

Konstanz ist alles

Reifen-, Gabel- und Dämpferdruck sollten konstant bleiben, um ein gleichbleibendes Fahrgefühl zu garantieren. «Kleine Luftverluste durch Zeit oder Höhenunterschiede können die Performance spürbar verändern. Deshalb, Drücke notieren und vor jeder Ausfahrt kontrollieren. So bleiben Reaktionsverhalten und Grip stabil. Auch Defekten durch zu hohen oder zu niedrigen Reifendruck wird vorgebeugt.» Das gilt übrigens auch für die ergonomischen Einstellungen am Mountainbike. Sattelhöhe und -Position sowie Lenkerhöhe sollte man stets notiert haben. Falls man etwas austauschen muss oder man sich ein neues Bike kauft, kann man die Masse einfach wieder übernehmen.

Pflege zahlt sich aus

Ein Service von Gabel und Dämpfer pro Jahr genügt, sofern das Bike regelmässig gepflegt wird. Am besten erfolgt er nach der Saison und auf Voranmeldung beim Serviceanbieter. «Wird das Bike nicht gewaschen, sollten Dichtungen dennoch nach jeder Fahrt mit einem Lappen gereinigt werden. Feiner Staub setzt sich auch ohne Matsch an und mindert das Ansprechverhalten und fördert den Verschleiss. Vor dem Einsenden zum Service empfiehlt es sich, Luftdrücke sowie Dämpfungseinstellungen (Rebound, Compression) zu notieren, falls diese danach abweichen.»

Ausbalanciert fährt sich’s am besten

Egal ob auf der Feierabendrunde oder auf alpinen Touren, der korrekte Negativfederweg (Sag) ist entscheidend. Stimmt er nicht, leide nicht nur die Funktion der Federelemente, sondern auch die Position auf dem Bike, mit negativen Folgen für Grip und Sicherheit, weiss Black und ergänzt: «Um Überschläge zu verhindern, sitzen Freizeitbiker im technischen Gelände häufig zu weit hinten, oft wegen eines zu tiefen Cockpits. Dadurch verliert man aber die Kontrolle übers Vorderrad. Eine höhere Lenkerposition hilft, die Körperposition nach vorne zu korrigieren. Bei neuen Bikes oder Gabeln empfehle ich deshalb mit einer hohen Position zu starten und sich schrittweise an die optimale Höhe herantasten. Komfort und Kontrolle müssen im Einklang stehen. Den Gabelschaft danach aber nicht zu knapp kürzen. Ein Zentimeter Reserve erleichtert spätere Anpassungen.»

Schaltpräzision und Bremskraft

«Bei Schaltwerken ohne direkte Rahmenmontage, wie bei Sram Transmission, müssen die Ausfallenden absolut gerade sein. Schon kleinste Abweichungen mindern die Schaltqualität, egal ob bei mechanischen oder elektronischen Schaltungen. Regelmässige Kontrolle mit einem Richtwerkzeug oder beim Fachhändler erachte ich deshalb als Pflicht.»

Auch die Bremshebelposition beeinflusst Effizienz und Ermüdung, verrät Gavin Black zu Abschluss: «In Sitzposition sollten Hebel, Zeigefinger und Unterarme eine Linie bilden. Im Stehen sollten die Bremsfinger dann leicht auf dem Hebel aufliegen. Die Hebeldistanz soll so gewählt sein, dass der Finger am vordersten Gelenk anliegt und nicht an der Fingerspitze. Zwischen mittlerem und vollem Bremsdruck sollte so ein 90-Grad-Winkel entstehen, da hier die Fingerkraft am grössten ist. Dadurch ermüden die Arme auch auf langen Abfahrten weniger. Das bringt Sicherheit und vor allem mehr Fahrspass.»


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