Tabubruch: Wyn Masters bricht das Schweigen über Profi-Gehälter | Ride MTB

Tabubruch: Wyn Masters bricht das Schweigen über Profi-Gehälter

In der Welt der MTB-Profis gelten Gehaltszahlen als eines der bestgehüteten Geheimnisse. Damit ist nun Schluss: Der Downhill- und Enduro-Veteran Wyn Masters hat in einem ausführlichen Video die finanzielle Realität des Sports offengelegt und damit eine Debatte über Transparenz und Wertschätzung in der Industrie angestossen.

Masters, der über ein Jahrzehnt lang fester Bestandteil der Weltelite war, nutzt den aktuellen Wendepunkt seiner Karriere – das Ende des langjährigen Engagements beim GT Factory Racing Team – für eine schonungslose Bestandsaufnahme. Er macht deutlich, dass der Weg zum Profi-Gehalt für die meisten Athleten mit extremen finanziellen Opfern verbunden ist. «Die Leute sehen nur die glänzenden Werksteams, aber sie sehen nicht die Jahre, in denen man als Privateer sein gesamtes Erspartes aufbraucht, um überhaupt an der Startlinie zu stehen», so Masters.

Die Privateer-Jahre (Anfang): $0 bis Defizit

In den ersten Jahren seiner Weltcup-Karriere verdiente Masters kein Gehalt. Im Gegenteil: Er investierte sein gesamtes Erspartes (u. a. aus Jobs in australischen Goldminen), um Reisekosten und Material zu finanzieren. In dieser Phase lebte er sprichwörtlich «von der Hand in den Mund».

Die ersten Profi-Verträge: $10'000 – $20'000

Nach ersten Achtungserfolgen folgten Verträge bei kleineren Teams. Diese deckten zwar oft die Reisekosten ab, das tatsächliche Gehalt (Base Salary) lag jedoch nur im Bereich eines kleinen Taschengelds, das kaum zum Leben reichte.

Die «Factory»-Ära (GT Factory Racing): $60'000 bis $100'000

Erst in der Mitte und im späteren Verlauf seiner Karriere, insbesondere durch seine Rolle als «Marketing-Maschine» (Wyn TV) und konstante Top-Ergebnisse, erreichte er sechsstellige Beträge. Er betont, dass ein «gut bezahlter» World-Cup-Profi (außerhalb der absoluten Top 5 der Welt) typischerweise zwischen $60.000 und $120.000 USD verdient.

Zusatzeinkünfte & Boni

Masters erklärt, dass Preisgelder (oft nur wenige tausend Euro für einen Sieg) vernachlässigbar sind. Der Großteil des Einkommens stammt aus dem Grundgehalt der Teams und persönlichen Sponsorenverträgen (Helme, Brillen, Schuhe).

Ein Appell an die Industrie

Hinter dem Video steht eine klare Mission: Masters möchte den Nachwuchs schützen. Durch die mangelnde Transparenz hätten junge Talente oft keine Verhandlungsgrundlage und würden Verträge unterzeichnen, die kaum die Lebenshaltungskosten decken. Er fordert die Marken und Teams auf, fairer zu kommunizieren und den Wert der Athleten nicht nur an Rennergebnissen, sondern auch an deren medialer Reichweite und Markenbotschafter-Funktion zu messen.