Test: Racing only oder kann der CX-R-Motor von Bosch mehr? | Ride MTB

Test: Racing only oder kann der CX-R-Motor von Bosch mehr?

Test Bosch Performance Line CX-R

Der Zusatzbuchstabe R steht bei Bosch für Racing. Und diese Version des bekannten Bosch-CX-Motors wurde für genau diesen Einsatzzweck entwickelt. Erhältlich ist er bei einer begrenzten Zahl von Bike-Modellen, denn er hat so viel Power, dass er für den allgemeinen Freizeitgebrauch wenig Sinn macht.

Das Wichtigste in Kürze

Der CX-R gehört aktuell zu den leistungsstärksten Motoren auf dem E-MTB-Markt. Seine Kennzahlen sind beeindruckend. Er hat bis zu 100 Newtonmeter Drehmoment, gewährt eine maximale Leistung von bis zu 750 Watt und bietet maximal 400 Prozent Unterstützung. Als einziger Bosch-Motor verfügt er über den Fahrmodus «Race». Mit der Einführung des aktuellen CX-R wurde auch der «eMTB+»-Modus eingeführt, der mittlerweile auch in der 5. Generation der «Performance Line CX» erhältlich ist.

Der Motor unterscheidet sich nicht nur von den Leistungsdaten vom regulären CX, er ist teilweise aus anderen Materialien gefertigt. Dank einer Titankurbelwelle und hochwertigen Keramikkugellagern beträgt das Gewicht des Antriebs nur 2,7 Kilogramm.

Erster Eindruck

Als Testbike stand ein «Moustache Game 160.9 Race» zur Verfügung. Das Besondere an diesem Bike ist, dass der Motor nicht im Rahmen integriert, sondern freistehend montiert ist. Selten ist ein Motor so gut zu besichtigen. So erkennt man, dass die eine Seite des CX-R über glatte Oberflächen verfügt, die andere hat massive Kühlrippen.

Wie von Bosch gewohnt lassen sich sämtliche Fahrmodi in der hauseigenen Flow-App individuell anpassen. Da es sich hier um einen Race-Motor handelt, wurden sämtliche Parameter auf maximale Leistung und schnelle Reaktion eingestellt. Wer sein E-Bike meistens im Eco-Modus fährt, muss an dieser Stelle nicht mehr weiterlesen. Dieser Test verlief nach dem Motto «racing only», andere Modi wurden nicht getestet, es hiess «all in».

Im Einsatz

Wird auf dem Bike Platz genommen und ein Fuss locker auf die Pedale gestellt, reagiert der Antrieb sofort und beginnt zu rucken. Aha, da will wer Gas geben! Na, dann nix wie los. Kaum wird in die Pedale getreten, ist man schon auf 25 km/h. Beim Übergang zu 26 km/h wird der Motor etwas undynamisch, da hier die Unterstützung aufhört. Die Kunst ist es, das Tempo in der Ebene und auf sanften Anstiegen bei maximal 25,5 km/h zu halten, dann geht’s geschmeidig voran.

Der Bosch-Motor mag eine Trittfrequenz von über 90 Umdrehungen pro Minute, da flitzt es sich selbst sehr steile Rampen mit ungewohnt hohem Tempo hoch. Geht man auf einem Schotteranstieg aus dem Sattel, reagieren die Sensoren und drosseln die Unterstützung, damit das Hinterrad nicht durchdreht. Wird der Uphill technisch anspruchsvoll, heisst es Fuss vom Gas. Der CX-R hat so viel Power, dass es schwierig ist, die Kontrolle über das Bike zu halten und nicht mit zu viel Speed und Energie auf Hindernisse zuzuschiessen. Hier ist es ratsam, entweder die Unterstützungsstufe zu reduzieren oder einen strengeren Gang einzulegen, sonst ist das Fahrverhalten zu aggressiv. Es dauert ein paar Fahrten, bis man den «Extended Boost» und den Nachlauf im Griff hat. Hat man das «erlickt», schafft man bisher unfahrbare Stufen und Hindernisse.

Geht es bergab, wird die Motorenunterstützung ja nur selten benötigt und meist nur bei der Beschleunigung aus Haarnadelkurven. Es braucht etwas Zeit, bis man rausgefunden hat, mit welchem Gang und mit wie viel Pedaldruck die Kurvenbeschleunigung angegangen werden muss, ohne dass man sich selbst abschiesst. Speziell bei engen Kehren und starker Kurvenschräglage kann eine zu harsche Unterstützung dazu führen, dass das Bike untersteuert und einen über den Lenker katapultiert oder seitlich zu Boden wirft.

Fazit

Die «Bosch Performance Line CX-R» gibt einem ordentlich Dampf unter dem Hintern. Doch muss man diesen kontrollieren können. Für den Einsatz in E-MTB-Rennen ist er sicher eine gute Wahl. Für den Freizeiteinsatz braucht es ein gewisses Fahrkönnen. Sonst ist es, wie wenn man mit dem Porsche Cayenne durch die Zürcher Innenstadt fährt.

Empfehlung

Es ist sinnvoll, die Unterstützungsstufen nicht von Beginn an auf das Maximum zu stellen, sondern sich erst mal mit dem Standard-Setting warm zu fahren. Ein stufenweises Erhöhen der Power hilft, sich langsam zum vollen Race-Modus vorzutasten.

Hersteller

www.bosch-ebike.com