Flyer ist nicht pleite. Warum glauben es trotzdem so viele?
Es passiert immer wieder: Kunden kommen in unseren Bikeshop und erzählen, Flyer sei am Ende. Mal als Frage, mal als vermeintliche Tatsache. Und jedes Mal muss ich erklären, dass Flyer weiterhin existiert und E-Bikes produziert. Bemerkenswert ist, dass wir selbst gar keine Flyer-Händler sind. Das Gerücht scheint also weit über die eigentliche Kundschaft der Marke hinaus verbreitet zu sein.
Was tatsächlich passiert ist: Ende 2024 schloss Flyer seine Produktion im bernischen Huttwil und strich rund 150 Stellen. Seither werden die E-Bikes im Kettler-Werk im deutschen St. Ingbert montiert. Zentrale Funktionen bleiben in der Schweiz, Flyer gehört weiterhin zur deutschen ZEG-Gruppe.
Das ist ein massiver Einschnitt für eine traditionsreiche Schweizer Marke. Aber eben kein Konkurs.
Wenn die schlechte Nachricht hängen bleibt
Besonders unglücklich war die Kommunikation rund um die Werksschliessung. Noch wenige Wochen zuvor hatte Flyer öffentlich betont, am Schweizer Produktionsstandort festhalten zu wollen. Dann kam die Kehrtwende. Solche Widersprüche kosten Vertrauen.
Im März 2026 meldete Flyer, seine Umsatzziele für 2025 erreicht zu haben. Eigentlich eine positive Nachricht. Nur scheint diese bei manchen Kunden nicht mehr anzukommen.
Ein Gerücht kann teuer werden
Wer glaubt, ein Hersteller sei pleite, macht sich Gedanken über Ersatzteile, Garantieleistungen und den Wiederverkaufswert seines E-Bikes. Im schlimmsten Fall entscheidet er sich deshalb für eine andere Marke.
Genau das macht solche Gerüchte gefährlich. Eine Produktionsverlagerung kann wirtschaftlich sinnvoll sein. Wenn daraus in der öffentlichen Wahrnehmung aber eine Firmenpleite wird, entsteht ein Problem, das sich nicht mit einer effizienteren Fabrik lösen lässt.
Flyer hat seine Produktion in der Schweiz aufgegeben, nicht seine Existenz. Dass ich das selbst in einem Velogeschäft, das keine Flyer verkauft, immer wieder erklären muss, zeigt, wie hartnäckig sich ein falsches Bild festsetzen kann. Und wie schwierig es ist, dieses wieder loszuwerden.