Schwalbe Albert Trail: Radial ist radikal gut und beinahe eine Revolution | Ride MTB

Schwalbe Albert Trail: Radial ist radikal gut und beinahe eine Revolution

Wo radial drauf steht, ist radial drin, doch nur der Schriftzug lässt das erkennen.

Schwalbes neue Radialreifen-Technologie ist von aussen nicht erkennbar. Ausser an der Beschriftung. Das «Geheimnis» befindet sich unter den Seitenwänden. Eine komplett neu gedachte Karkassenkonstruktion, sagt Schwalbe. Insider meinen, dass «lediglich» die Fäden neu in einem stumpferen Winkel als 45 Grad, aber weniger als 90 Grad verlaufen. Wie auch immer, das Resultat ist bahnbrechend.

Das Wichtigste in Kürze

Die getesteten 29-Zoll-Reifen haben eine Breite von 2.5 Zoll, was gemessen 60 Millimeter ergibt. Im Einsatz war die Trail-Version mit der «Addix Ultra Soft»-Gummimischung. Die Waage bleibt bei 1150 Gramm stehen, 30 Gramm unter der Herstellerangabe. Schwalbe verspricht dank der flexibleren Karkassentechnologie mehr Traktion und Grip, da sie eine grössere Auflagefläche ermöglicht (30 Prozent mehr bei 1.5 Bar Reifendruck). Zudem soll der Albert eine stärkere Dämpfung gewähren. Der Hersteller empfiehlt auch 0.3 bis 0.5 Bar höheren Luftdruck als gewohnt.

Erster Eindruck

Äusserlich betrachtet ist der neue Albert ein grob profilierter Reifen mit grösseren Zwischenräumen und geschlitzten Stollen. Der Gummi wirkt weich und griffig. Die Tubeless-Montage gelingt auf Anhieb ohne Probleme.

Im Einsatz

Auf der ersten Ausfahrt wird schnell klar, nichts ist mehr beim Alten. Wer es gewohnt ist, den passenden Reifendruck per Daumendruck zu definieren, ist hier verloren. Denn der Reifen verformt sich 
unter dem Daumen stärker als gewohnt und bietet nicht den Gegendruck, den man kennt. Da hilft nur der Griff zum Luftdruckprüfer oder zu einer Pumpe mit genauer Anzeige.

Reifentests werden beim Ride mit 1.15 und 1.3 Bar (vorne/hinten, für 70 Kilogramm Kampfgewicht) gestartet und danach wird je nach Pneu der Luftdruck im Gelände angepasst. Gemäss Schwalbe soll der Druck für die Radialreifen höher sein, also wird mit 1.25/1.3 Bar gestartet. Schon beim ersten Wurzelfeld folgt der Griff zur Pumpe. Zu weich ist das Ganze. Gut, 0.3 höher und weiter geht es. Aber nur kurz, der Pneu ist nun ein wenig zu hart. Am Ende zeigt sich der Sweet Spot bei 1.4/1.5 Bar. Im Gelände macht schon 0.1 Bar einen spürbaren Unterschied. Die Front ist weniger empfindlich als das Heck, das kommt schneller ins Schlingern, wenn der Reifen zu wenig Luft hat.

Auf Asphalt wie auch abseits von befestigten Wegen rollen die Alberts leise und ohne Vibrationen abzugeben. Der Rollwiderstand begeistert ebenso wie der Kurvenhalt, beides ist auf gewohnt hohem Niveau. Ungewohnt und überraschend hoch ist die Traktion der neuen Pneus. Tritt man über ruppige Wege hoch, sieht man von blossem Auge, wie sich der Reifen regelrecht um spitze Steine sowie Wurzeln und Kanten schmiegt. Diese Art der Verformung gab es bisher nicht. Erstaunlich ist, dass – obschon sich die Alberts über Hindernisse so stark anpassen – in Kurven kein schwammiges Gefühl entsteht.

Bei trockenen Verhältnissen greifen die Reifen selbst auf Wurzeln und auf glattem Fels bestens. Im Nassen kann die Performance jedoch nicht mithalten, da ist sie durchschnittlich, ebenso bei schlammigen Verhältnissen. Etwas irritierend ist, dass die Alberts auf gewissen feuchten Wurzeln normal Halt finden und auf anderen umgehend ins Rutschen geraten. Jedoch nie so sehr, dass man die Kontrolle verliert, das Bike liess sich immer schnell wieder in den Griff kriegen.

Beim Bremsen ist auf die Reifen Verlass. Egal, wie steil das Gelände ist und welcher Untergrund befahren wird, der Biss ist hoch und das Bremsverhalten vorhersehbar. Wird das Bike hart in die Kurve gedrückt, knicken die Stollen nicht ab und bieten eine gute Transition in die Schräglage. Gut gefällt auch die hohe Dämpfung der Pneus. Fährt man von glattem Untergrund auf rauen, schlucken die Reifen so viel, dass der Übergang kaum spürbar ist. Das gilt auch bei der Landung nach Sprüngen oder wenn aufgrund des hohen Tempos bei Absätzen die Reifen kurz in der Luft sind, die Alberts dämpfen beim Bodenkontakt gekonnt und ohne störenden Rebound.

Nach rund sechs Monaten im Einsatz hat sich die oberste Gummierungsschicht auf den Seitenwänden zu lösen begonnen und so «Einblick» auf die Karkasse gegeben. Dies nur an wenigen Stellen und auch ohne Folgen in Bezug auf das Fahrverhalten oder den Pannenschutz. Schwalbe meint dazu: «Der beschriebene optische Mangel betrifft ausschliesslich das Erscheinungsbild und hat keinerlei Einfluss auf Funktion, Haltbarkeit oder Sicherheit des Reifens. Wir nehmen solche Rückmeldungen dennoch sehr ernst und prüfen jeden Einzelfall sorgfältig.»

Fazit

Was wie ein ganz normaler Reifen aussieht, entpuppt sich erst im Einsatz als etwas komplett Neues. Traktion und Dämpfung vermitteln schnell Vertrauen und sind ungewohnt hoch. Das zeigt sich bei trockenen Bedingungen stärker als bei nassen. Pleiten, Pech und Pannen gab es im zehnmonatigen Testzeitraum keine und die Abnutzung des Profils und der Karkasse hält sich in Grenzen.

Empfehlung

Luftdruck ist King! Bei den Radialreifen lohnt es sich, etwas zu experimentieren, denn schon 0.1 Bar mehr oder weniger machen einen spürbaren Unterschied.

Preis: CHF 82.00 / EUR 73.90

Hersteller

www.schwalbe.com


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