Test: Fünf «Freunde» für den Allmountain-Einsatz
Die getesteten Produkte in der Übersicht:
ION Rascal Select Boa Schuhe
Funn MTB Mamba S Pedalen
Shimano XTR M9220 4-Kolben-Bremse
Sqlab Sattel 60X Ergowave Active 2.2
Uvex Sportstyle 237 Brille
ION Rascal Select Boa Schuhe
Erster Eindruck
Der SPD-kompatible Rascal wirkt robust konstruiert – ideal für den Allmountain-Einsatz. Die höher geschnittene Innenseite schützt den Knöchel vor Verletzungen und die verstärkten Zonen an der Ferse sowie der Schuhspitze sollen einen für harte Einsätze wappnen. Das bekannte Boa-System ermöglicht ein passgenaues Anziehen des Schuhs. Die Sohle sieht eher grafisch gestaltet als griffig aus, doch der erste Eindruck täuscht, wie der Praxistest zeigte. Dezente braune Elemente zieren den ansonsten schwarzen Schuh und verleihen ihm das gewisse Etwas. Da sich der Schuh sehr weit öffnen lässt, wird die Lasche an der Ferse zum Anziehen nicht benötigt.
Im Einsatz
Im Vergleich zu bisher getesteten ION-Schuhen fällt der Schnitt eher gross aus, ideal für breitere oder kräftigere Füsse. Wer eher schlanke Treter hat, muss das Boa-System bis zum Anschlag zuziehen. Der «Rascal Select» fühlt sich zu Beginn etwas steif an. Nach ein paar Ausfahrten und einigen Gehstrecken wird das Material weicher und der Schuh entfaltet die ideale Mischung von Komfort und Kraftübertragung. Obschon das Profil der Schuhe nicht sehr ausgeprägt ist, greift es auf Erde und Fels bestens. Lange Schiebestrecken mit dem Bike lassen sich trittsicher meistern.
Auf dem Rad gewährt der «Rascal Select» eine gute Kraftübertragung. Die EVA-Zwischensohle sorgt spürbar für eine gute Dämpfung: Auf ruppigen Strecken nimmt sie dem Untergrund das Harsche und eliminiert Vibrationen. Die hochgezogene Innenseite schützt bestens vor ungewolltem Kontakt mit der Kurbel oder dem Bike-Rahmen. Das aufgeraute Innenfutter an der Ferse gibt zusätzlichen Halt.
Fazit
Der mehrmonatige Einsatz im Alpenraum hat kaum Spuren an den ION-Schuhen hinterlassen. Nur der Staub auf der Schuhzunge zeugt von den vielen Fahrten. Der «Rascal Select» besticht mit seiner robusten Bauart, die einen guten Mix von Steifigkeit und Komfort bietet. Es scheint, als würde er noch so einige Abenteuer verkraften.
Preis: CHF 219.90/ EUR 219.99
Hersteller
www.ion-products.com
Funn MTB Mamba S Two Side Clip Pedalen
Erster Eindruck
Die «Mamba S» von Funn ist die kleinere Schwester der Mamba, deren Käfig etwas grösser ausfällt. Die SPD-kompatiblen Klickpedalen mit umlaufender Plattform wirken solide verarbeitet. Die Lager wirken hochwertig und gut gedichtet. Auf Ober- und Unterseite befinden sich Madenschrauben, welche die Schmierports verdecken. Mit der Fettpresse können so die Mambas dauerhaft geschmiert werden. Auf jeder Pedalseite können vier von oben eingeschraubte Pins montiert werden, um die Haftung der Schuhe zu erhöhen. Mit 480 Gramm sind sie kein Leichtgewicht, aber akzeptabel schwer. Das Feedback dürfte etwas präziser sein, wenn man die Auslöseeinstellung via Raster verändert. Der Auslösewinkel beträgt 18 und die Bewegungsfreiheit 5 Grad.
Im Einsatz
Anfangs braucht es etwas Konzentration, um mit den Cleats einzuklicken. Mit jeder Fahrt spielt sich das Vorgehen besser ein und das Einklicken geschieht intuitiver. Ausgeklickt wird ohne grossen Widerstand und kontrolliert. Trotz der zusätzlichen Pins berühren die Bike-Schuhe – es wurden mehrere Schuhmodelle getestet – kaum den Käfig, sie liegen nur auf dem SPD-Mechanismus auf. Somit fühlt es sich ein bisschen an, als ob man auf dem Pedal schwimme. Es herrscht viel Bewegungsfreiraum. Bergauf oder in der Abfahrt ist es weniger stark wahrnehmbar als auf Transferstrecken beim Treten.
Die Mambas mussten den einen oder anderen harten Aufschlag auf Stein und Fels ertragen. Manchmal so stark, dass die Fahrt gestoppt wurde, um nachzusehen, ob die Pedale noch ganz ist. Jeweils vergebens, ausser ein paar verlorenen Aluminiumspänen haben die Mambas das einfach weggesteckt. Das Testbike war während rund sechs Wochen jeweils in einem sehr feuchten Keller parkiert. Das hat zu leichtem Flugrost am Klickmechanismus geführt. Auf die Funktion hatte das nie einen Einfluss.
Fazit
Die Mambas von Funn zeigen Nehmerqualitäten und die Schmiernippel sind eine tolle Sache. Sie eignen sich mehr für Piloten, die gerne etwas Bewegungsfreiheit auf den Pedalen haben. Wer einen eher satten Sitz bevorzugt, wird mit ihnen nicht glücklich.
Preis: CHF 145.50 / EUR n/a
Hersteller
www.funnmtb.com
Shimano XTR M9220 4-Kolben-Bremse
Erster Eindruck
Shimano hat die neue Bremse von Grund auf neu konstruiert. Wie von der XTR-Gruppe gewohnt ist die Verarbeitung von höchster Qualität. Zwei Neuerungen fallen auf den ersten Blick auf: Beim Bremshebel verläuft die Leitung nun parallel zum Lenker und die Bremszange hat hinten und vorne unterschiedlich grosse Bremszylinder. Kaum oder nicht zu erkennen sind weitere Änderungen: die optimierte Ergonomie des Bremshebels, die Bremszylinder, die neu auf Zug und nicht mehr auf Druck funktionieren, sowie das neue Mineralöl, das verwendet wird. Die Montage ist gleich wie bei den früheren Modellen und geht ohne Probleme vonstatten. Beim Kürzen der Leitungen war kein Entlüften nötig.
Im Einsatz
Für den Test wurden bewusst nur 180 Millimeter grosse Bremsscheiben an Heck und Front montiert. Denn je kleiner die Scheiben sind, desto besser zeigt sich, was eine Bremse zu leisten vermag. Die neue XTR wurde im Direktvergleich mit der «alten» XTR-Bremse – die mit Belägen von «Absolute Black» ausgestattet ist – gefahren. Zudem musste sie mehrere 10’000 Tiefenmeter Abfahrt in Davos bewältigen. Oft ohne grosse Pausen, um die Hitzebeständigkeit zu testen.
Wie üblich braucht es ein paar Abfahrten, bis die Bremsbeläge und die Scheiben eingeschliffen sind. Erst dann zeigt sich, was die Neuerungen wirklich bringen. Die Dosierbarkeit hat sich verbessert und es braucht kaum Kraft im Finger, um die Bremse zu bedienen. Bei normalem Einsatz ist die Bremskraft deutlich erhöht, ohne dass sie harsch wirkt. Ist allerdings mal eine Voll- oder Notbremsung nötig, zieht man also stärker am Hebel, beisst selbst die 180er-Scheibe mit überraschender Kraft. Am meisten begeistert die durchgehende Konstanz, welche die XTR bietet: Das Bremsgefühl ist auch nach Hunderten von Tiefenmetern immer noch gleich. Fading? Ja, muss man in wirklich steilem Terrain – wo runterlaufen kaum möglich ist – über längere Zeit den Hebel ziehen, fühlt man ein minimes Nachlassen des Druckpunktes. Bei normalen Abfahrten war davon nie etwas zu spüren. Eine Überhitzung des Bremssystems war nicht feststellbar. Ob das an der optimierten Technologie liegt oder am neuen Mineralöl, bleibt offen.
Fazit
Das neue Design des Bremshebels ist Geschmackssache, hat aber auf die Performance keinen Einfluss. Kurz und knapp: Die neue XTR-Bremse ist absolut top. Wer nach 6000 Tiefenmetern noch ein Klavierkonzert geben muss, wird tosenden Applaus ernten, denn die Hände werden abends noch genauso frisch sein wie vor der Bike-Tour.
Preis: CHF 646.00 / EUR 620.00, ohne Bremsscheiben
Hersteller
www.bike.shimano.com
Sqlab Sattel 60X Ergowave Active 2.2
Erster Eindruck
Der neue Sqlab-Sattel basiert auf dem beliebten Modell 60X, das vor ein paar Jahren eingeführt wurde. Er beinhaltet die bekannte und bei Ride schon mehrfach in Tests erwähnten Ergowave- und Active-Bauweisen. Geblieben ist auch das Sattelbreitenkonzept, das je nach Sitzknochenabstand eine Sattelbreite von 130 bis 160 Millimetern erfordert. Das Modell wurde über die Jahre stets leicht optimiert und bietet in der aktuellen Version 2.2 im Wesentlichen eine um 20 Millimeter kürzere Sattelnase. Die Verarbeitungsqualität ist wie gewohnt sehr hoch. Der neue 60X ist 130 Millimeter breit und wiegt 245 Gramm, das 160er-Modell ist 262 Gramm schwer.
Im Einsatz
Der Unisex-Sattel wurde sowohl von einer Frau als auch von einem Mann über rund sechs Monate getestet. Selbst wenn man die Sqlab-Sättel kennt, braucht es wie immer eine Angewöhnungszeit an das neue Modell. Nach rund 20 Minuten auf dem Bike stellt sich das vertraute Sitzgefühl ein, nach ein paar Ausfahrten ist der Sattel «eingesessen» und passt von Beginn der Fahrt weg. Durch die kürzere Nase sitzt man etwas weniger «im» Sattel wie von Sqlab gewohnt. Die Sqlab-erfahrene Testerin freute sich über die grössere Bewegungsfreiheit, genau das hatte sie bei den bestehenden Modellen etwas vermisst. Ihr war die Nase stets zu lang. Der Komfort und der Gegenhalt durch das erhöhte Heck sind wie gehabt und durch die neue Gummierung gar leicht verstärkt, so die Frau. Der Mann sieht das etwas anders. Gleicher Komfort? Ja. Gleicher Gegenhalt? Jein. In den meisten Situationen ja, aber in sehr steilen Anstiegen, wenn die Front des Bikes zu steigen beginnt und eine Gewichtsverlagerung nach vorne nötig ist, nein. Da fehlt es einem an der entsprechenden Länge der Sattelnase.
Die Ergowave- und Active-Systeme des Sattels werden hier nicht weiter erläutert, Ride hat sie schon in zahlreichen Tests ausführlich beschrieben.
Fazit
Der 60X hat sich bei der Testfahrerin zum neuen Liebling entwickelt. Ihr Fazit: Passt in allen Situationen, die erhöhte Beinfreiheit wird sehr geschätzt. Der Kollege sieht den Einsatz primär an langhubigen Bikes mit Fokus auf die Abfahrt. Am XC oder Trailbike bevorzugt er eine längere Sattelnase, um auch die steilste Rampe zu erklimmen, wo andere schon am Schieben sind.
Preis: CHF 169.90 / EUR 159.95.00
Hersteller
www.sq-lab.com
Uvex Sportstyle 237 Brille
Erster Eindruck
Die grossen Gläser entsprechen dem aktuellen Trend, sind aber nicht so gigantisch wie bei anderen Modellen. Man sieht nicht aus wie ein Fisch im Aquarium. Die Scheibentönung der Filterkategorie 3 bietet eine Lichtdurchlässigkeit von 9 bis 18 Prozent. Die Brille sitzt angenehm am Kopf auf und lässt sich durch die verstellbaren Nasenbügel individuell anpassen.
Im Einsatz
Obschon die Gläser eher dunkel wirken, ist die Sicht auch bei wenig Sonnenlicht ausreichend. Die Farben bleiben neutral, der Kontrast wird deutlich, aber angenehm verstärkt. Der Schutz vor Fahrtwind ist optimal und selbst an langen Tagen mit starker Sonneneinstrahlung ermüden die Augen nicht vorzeitig. Ein Zeichen für eine hochwertige Linse. Wie bei Brillen mit grossen Scheiben üblich entweicht beim Hochtreten an Hitzetagen die Körperwärme weniger gut als bei Modellen mit niedriger Bauweise. Die Folge: Man schwitzt etwas stärker. Im Vergleich zu anderen Sportbrillen mit gleich hohen Linsen schlägt sich die Uvex ganz passabel.
Fazit
Auf langen Allmountain-Touren ist ein guter Augenschutz unumgänglich. Die «Uvex Sportstyle 237» konnte sich hier behaupten. Dank hochwertiger Linse und gutem Schutz vor Fahrtwind bleiben die Augen bis zur letzten Abfahrt fit!
Preis: CHF 109.00 / EUR 89.95
Hersteller
www.uvex-sports.com