Test: Haibike Allmtn CF 11 TRN/IQ – ein Trail-Panzer für rasante Abfahrten
Das «Allmtn CF 11 TRN/IQ» ist ein ordentliches Stück Bike. Der Pinion-Antrieb mit 800-Wh-Akku und die robuste Ausstattung sorgen für beinahe 25 Kilo Kampfgewicht. An der Front und am Heck winken 160 Millimeter Federweg, mehr als bei einem Allmountain-Bike üblich. Aber der Name bezieht sich weniger auf die Bike-Kategorie, sondern mehr auf den Einsatzzweck. Ein Bike für alles oder jedes Terrain. Und das kann unterschrieben werden.
Das Bike im Einsatz
Dank der leicht aufrechten Sitzposition lässt das Bike einen mit ordentlich Dampf in die Pedale treten. Der durchzugsstarke Motor bringt einem schnell auf Touren. Zumindest bis man bei der Pinion MGU zum bekannten Wechsel vom achten in den neunten Gang kommt. Da fällt das Getriebe kurz «durch». Ride hat in der Ausgabe No. 95 schon darüber berichtet. Ansonsten wäre die Pinion-Antriebseinheit Zukunftsmusik, denn die Fahrdynamik des Motors und der kettenlose Antrieb gefallen sehr gut.
Je anspruchsvoller der Uphill ist, desto mehr Spass macht das Haibike, denn das Heck bietet gute Traktion. Es ist jedoch ratsam, in steilem Gelände den Sattel abzusenken, um den Körperschwerpunkt tief zu halten. So kraxelt es sich fast überall hoch. Dass die Kraftübertragung über einen Keilriemen und nicht über eine Kette erfolgt, spürt man kein bisschen. Ausser bei der Wartung des Antriebs, schmieren ist Geschichte. Ebenfalls ein Vorteil des Riemenantriebs: Bergab macht er absolut keine Geräusche.
Leider hat das hohe Gewicht Einfluss auf das Lenkverhalten in der Ebene. Es stellt sich eine gewisse Massenträgheit ein. Bergab kann man mit einem aktiven Fahrstil entgegenwirken. Das ist auch nötig, damit das Vorderrad in den Kurven nicht «einknickt», eine gut gewählte Schieflage bringt den gewünschten Kurven-Flow.
Nicht ganz unproblematisch ist die Lenkeinschlagsbegrenzung. In engen Kurven in technischem Gelände wären ein paar Grad mehr Einschlag wünschenswert. Speziell wenn im Schritttempo gefahren wird. Das E-Fully lässt sich präzise steuern, aber mit einem gewissen Panzer-Feeling. Der Mullet-Aufbau hilft hier zu etwas mehr Drehfreude in Kurven.
Das sehr schluckfreudige Heck gibt wenig Feedback vom Untergrund. Je schneller die Fahrt, desto aktiver die Dämpfung. Ganz nach dem Motto: Bremsen auf und krachen lassen. Wird die Ideallinie ungewollt verlassen, einfach den Lenker ordentlich krallen und zurück auf den Trail steuern, das Fahrwerk erledigt den Rest und lässt selbst grosse Löcher im Boden «verschwinden». Steilstücke lassen sich dank der hohen Front ohne Überschlaggefühl meistern, der hohe Gegendruck der Zeb-Gabel leistet hier zusätzlich gute Dienste.
Fazit
Haibike liefert mit dem «Allmtn CF 11 TRN/IQ» einen schweren Boliden ab, der sich jedoch mit etwas Körpereinsatz ganz ordentlich fährt. Die Kombination von Masse und gutem Fahrwerk bietet gutes Momentum und so rauscht man unbemerkt über manche Hindernisse. Die Motor-Getriebe-Einheit von Pinion ist Geschmackssache und funktioniert am besten, wenn es gemütlich oder auf technischen Terrains bergauf geht. Gipfelsprints machen weniger Laune.