Test: Shimano XTR Di2 Schaltgruppe – die Japaner können nun auch funken
Das Wichtigste in Kürze
Shimano bietet neben einer Komplettgruppe auch einen Nachrüst-/Upgrade-Kit an, um eine bestehende mechanische 1x12-Gang-Schaltung auf eine kabellose Di2-Variante umzurüsten. Das Set umfasst ein Schaltwerk, den entsprechenden Schalthebel, den Akku mit Ladegerät sowie ein Kettenschloss.
Im Test war die Enduro-Version der neuen XTR, mehr zur neuen Gruppe hier: Link
Erster Eindruck
Die Qualität der einzelnen Teile ist wie von der XTR gewohnt sehr hoch, sie wirkt bestens verarbeitet. Der Look der Kurbel passt nicht so ganz zum Design der restlichen Produkte. Sie ist ungewohnt auffallend, die Topgruppe von Shimano war bisher immer dezent unterwegs.
Der Schalthebel bietet viele Anpassungsmöglichkeiten. Dennoch erstaunt es, dass Shimano einen mechanischen Schalter mit zwei separaten Hebeln konstruiert hat, der per Funk das Schaltwerk ansteuert. Dabei ist doch gerade der Vorteil der Elektronik, dass man ohne Drücken und nur mit minimaler Bewegung einen Schaltvorgang ausführen könnte. Der Hebel wirkt nicht zeitgemäss, da wünscht man sich etwas Reduziertes wie einen Zirbelschaltring, der die Vorteile der Elektronik gekonnter nutzt. Zurück zum Shimano-Hebel, dieser braucht eine gewisse Angewöhnungszeit, speziell wenn man das Schalten mit dem Sram-Shifter gewohnt ist. Er funktioniert aber einwandfrei und vermittelt ein sehr deutliches und mechanisch anmutendes Schaltgefühl. Nur wer sehr dicke Daumen hat, könnte Mühe haben, an den hinteren Hebel zu gelangen.
Gemäss Shimano ist das Schaltwerk so konstruiert, dass es auch einen Kontakt mit Hindernissen übersteht. Optisch wirkt es sehr robust. Der Akku ist unter einer Abdeckung verborgen. Wie sich im Verlauf des Tests gezeigt hat, dringt dort beim Reinigen Wasser ein – dies jedoch ohne Beeinträchtigung der Funktion.
Die Installation in Eigenregie ist nur geübten Schraubern zu empfehlen. Obschon der Verpackung ein Haufen Zettel beiliegt, ist keine Anleitung dabei. Die muss im Internet gesucht werden und ist gut versteckt auf einer Seite mit Produktanleitungen für Fachhändler. Die Anleitung ist nicht immer selbsterklärend. Wer Infos zur oberen Endanschlag- oder zu den B-Schrauben sucht, wird nicht fündig. Das Finetuning der Gänge über die Shimano-App ist auch nicht ganz so einfach, da sich die Anpassung der Schaltwerksposition immer auf alle Gänge auswirkt und nicht auf einen einzelnen. Das kann die Konkurrenz besser.
Im Einsatz
An die neuen Schalthebel muss man sich erst mal gewöhnen: Die beiden Hebel liegen relativ nah beieinander und beinahe hintereinander. Es braucht ein Umdenken und mit der Zeit gelingt das Schalten intuitiv. Die Angewöhnungsphase braucht etwas Zeit. Von der Funktion gibt es nichts zu bemängeln.
Die Schaltfunktionen können mit der App angepasst werden. In dieser kann auch das sogenannte Multishiften aktiviert werden. Mit einem langen Hebeldruck können bis zu drei Gänge gewechselt werden und das gelingt gut. Bei Dauerdrücken werden gar noch mehr Gänge geschaltet, doch da knarzt es je nach Kadenz und Druck auf die Pedalen ganz ordentlich am Heck. Das Schaltverhalten unterscheidet sich nicht wirklich von der alten XTR. Doch «sehr gut» noch besser zu machen, ist auch nicht ganz einfach. Wird in der Ebene bei hoher Kadenz geschaltet, geschieht der Gangwechsel kaum spürbar. Haut man die Gänge unter sehr hoher Last zum Beispiel nach einer Senke steil hoch rein, geht das ohne Mühe, aber mit der entsprechenden akustischen Begleitung. Grundsätzlich funktioniert der Schaltvorgang wirklich gut, doch je nach Bedingungen mit oder ohne Geräuschkulisse.
Der Radwechsel hinten gelingt nicht so einfach wie bisher, da die Spannung des Schaltwerks nicht reduziert werden kann und es auch keine Festhalteposition für den Wechsler gibt. Auch hier, Übung macht den Meister und nach ein paar Mal hat man den Dreh raus.
Fazit
Die neue XTR Di2 hält, was sie als Shimanos Topgruppe verspricht: Verarbeitung und Schaltqualität auf höchstem Niveau. Der Gangwechsel geschieht schnell und knackig, aber manchmal etwas rau unter Volllast bergauf. Das Design und die Funktion des Schalthebels sind Geschmackssache. Da Shimano abgesehen von der Funkverbindung keine grossen technischen Veränderungen vorgenommen hat, ist die Gruppe nach wie vor mit Kettenblättern von Drittanbietern kompatibel.
Preis Upgrad-Kit: CHF 935.00 / EUR 999.00