Fertig lustig: Soll Ride MTB bei Social Media aussteigen?
Früher war Social Media wie ein digitaler Stammtisch mit Fernweh-Funktion: Auf Facebook bekam man mit, was bei alten Schulfreunden so läuft. Instagram war die Visitenkarte für den nächsten Roadtrip mit dem Mountainbike. Linkedin war Inspirationsquelle für die Karriereleiter. Und Tiktok? Naja, da gab es halt lustige Clips – leicht, spontan, charmant.
Schnitt. Heute ist von dieser heilen Plattformwelt nicht mehr viel übrig. Facebook? Ein digitaler Altherrentreff mit Wutbürger-Faktor. Instagram? Mittlerweile eine Endlosschleife aus Hochglanzleben, das es so nicht gibt. Linkedin? Ein Selbsthilfezentrum für narzistische Business-Gurus. Und TikTok? Ein Abgrund aus Oberflächlichkeit, geschnitten in 15 Sekunden.
Willkommen im Gruselkabinett der digitalen Gesellschaft.
Und ja, wir geben es zu: Auch wir bei Ride kommen nicht drum herum. Nicht, weil wir es wollen. Sondern weil die Branche es verlangt. Denn während wir uns um Inhalte mit Substanz bemühen, zählen für viele Marketing-Abteilungen in der Fahrradbranche und im Tourismus primär Follower-Zahlen und Interaktionsraten. Während klassische Medien mit Marktforschung verlässliche Leserzahlen zu ermitteln versuchen, werden die nackten Zahlen der Social-Media-Plattformen unreflektiert abgenickt.
Hauptsache Reichweite. Hauptsache Buzz. Wer nicht auf Social Media seine Inhalte verfeuert, ist faktisch inexistent. Aber was bleibt? Halbseidene Kommentare unter unseren Beiträgen, bei denen man sich wünscht, das Internet hätte einen Notaus-Knopf. Mountainbikerinnen, die mehr Haut als Haltung zeigen für ein bisschen mehr Sichtbarkeit. Und Spitzenathleten, die sich mit austauschbaren und immergleichen Storys in die Timeline spülen, weil man es halt so macht. Ganz ehrlich: Mich widert diese Social-Media-Welt zunehmend an.
Deshalb diskutieren wir ernsthaft, Ride aus dem ganzen Zirkus rauszunehmen. Nicht trotzig, sondern konsequent. Wir machen ein hochwertiges, durchdachtes Medium. Warum sollten wir das mit Plattformen verknüpfen, die längst zum Teil eines gesellschaftlichen Problems geworden sind? Denn: Social Media ist keine harmlose Spielerei mehr. Es ist ein Brandbeschleuniger für Polarisierung, Eitelkeit und Realitätsverlust. Und eigentlich wäre es höchste Zeit, den Stecker zu ziehen. Es wäre wichtig, aus diesen Plattformen auszusteigen um ihnen die Bedeutung zu nehmen. Aber keiner macht den ersten Schritt. Auch wir nicht. Dafür fehlt uns aktuell der Mut.