Zwangsstopp per GPS: Wireless-Bremsen legen Mountainbiker lahm | Ride MTB

Zwangsstopp per GPS: Wireless-Bremsen legen Mountainbiker lahm

Zwangsstopp

Kabellose Bremsen sind aktuell die heiss gehandelte MTB-Technologie. Nun wurde bekannt, dass im neuartigen System auch noch ein anderes Feature integriert ist, das zu Diskussionen führen wird. Die Wireless-Bremsen können dank Geofencing auf gesperrten Wegen automatisch blockieren und die Mountainbiker an der Weiterfahrt hindern.

Die Geofencing-Technologie ist keine Unbekannte: In der urbanen Mobilität wird bei E-Scootern in Städten wie Wien der Motor automatisch deaktiviert, sobald sich der Benutzer in einem Fahrverbot befindet. Auch beim E-Bike greift Software schon heute auf der selben Basis ins Fahrverhalten ein. Die Systematik wird nun auf die Bremstechnologie beim Mountainbike übertragen: Ein winziger GPS-Chip im Bremshebel ermittelt permanent den Standort. Die Software vergleicht diese Position mit digitalen Kartendaten. Sobald das Mountainbike einen in der Datenbank als gesperrt markierten Weg erreicht, übermittelt der Wireless-Hebel ein entsprechendes Signal und bremst das System automatisch ab. Bekannt ist dieses neue Feature als «Automatic Perimeter Regulation for Illegal Lines» (APRIL).

Ganz freiwillig setzen die Bremsenhersteller die APRIL-Technologie nicht ein. Sie ist Teil einer neuen Regulationsstruktur für Natur- und Geländesportarten der Europäischen Union. In der kürzlich verabschiedeten Norm schreibt die EU den Fahrradherstellern vor, den Einsatz von Sportgeräten in verbotenen Gebieten technisch zu unterbinden. Motorenhersteller wie Bosch haben APRIL bereits ohne grosses Aufsehen eingeführt, unklar war bisher, wie die Fahrradhersteller die Norm bei nicht motorisierten Fahrrädern erfüllen sollen. Da kommen die kabellosen Bremsen mit der integrierten APRIL-Technologie genau richtig.   

Ein Karteneintrag zieht die Bremse

Brisant ist vor allem die Datenquelle der ersten Versionen von APRIL: Die Informationen zu Sperrungen und Fahrverboten sollen aus OpenStreetMap stammen, also aus jener Karte, die von registrierten Nutzern laufend ergänzt und verändert wird und vielen Navi- und Touren-Apps als Grundlage dient. Genau das macht die Sache heikel: In OpenStreetMap lassen sich Wege nicht nur erfassen, sondern auch mit Fahrverboten, Zugangsbeschränkungen oder Sperrungen versehen. Im besten Fall hält das die Karte aktuell. Im schlechtesten Fall reicht ein falscher Eintrag, und der Lieblings-Trail steht digital plötzlich unter Verbot.

Dann bremst das Mountainbike nicht, weil vor Ort ein Weg gesperrt ist, sondern weil ein Karteneintrag ihn als gesperrt ausweist. Aus einem Technik-Thema wird damit sofort ein Trail-Thema: Wer prüft die Daten? Wer korrigiert Fehler? Und was passiert, wenn ein Trail in der Karte fälschlicherweise als gesperrt eingetragen wird und deshalb nur noch im Schritttempo fahrbar ist?

Der Wanderer, der früher Äste auf den Weg legte, hätte digital ausgedient. Künftig genügen ein Nutzerkonto und ein fragwürdiger Eintrag, damit aus der Feierabend-Abfahrt ein Schleichweg wird.